Archive | August, 2011

Ich bin so drei

31 Aug

Gibt es eine glückliche Dreiecksbeziehung? 

Natürlich! Wenn alle drei Beteiligten damit zufrieden sind, ist diese Art der Beziehung durchaus erfolgversprechend. Und wie es häufig in menschelnden Gefilden passiert, ist solch eine Beziehung niemals statisch. Immer nur Sonnenschein, nie Regen – das gibt es einfach nicht. Stattdessen kränkeln immer mal wieder alle ein wenig vor sich hin: Die Ehefrau, weil sie sich nicht verstanden fühlt. Der Ehemann, weil er sich erklären muss. Und die Geliebte, weil sie nie ganz das haben wird, was sie eigentlich begehrt. Wenn dann auch noch Ehefrau und Geliebte ein Techtelmechtel beginnen, wird es (noch) komplizierter. Das Schöne daran: Um die Balance wieder herzustellen, müssen sich alle gegenseitig helfen. Die Ignoranz als Ausdrucksform des quasi Nicht-Ausdrückens funktioniert eine Weile, doch irgendwann rebelliert einer der drei. Und dann?

Israel, der stolze, schöne Mann. Deutschland, die reiche Frau. Eine Ehe, die 1948 geschlossen wurde und bis heute hält. Eine Scheidung kommt nicht in Frage, die beiden hängen zu sehr aneinander. Palästina, die ungeliebte Geliebte. Mit Brüchen, Beziehungspausen, heimlichen Treffs. Deutschland, die vernüftige Frau mit dem Durchhaltevermögen, flirtet mit Palästina, finanziert es sogar. Und steckt dem Ehemann gleichzeitig Geld zu. Fast scheint es so, als hätten die drei eine Wohngemeinschaft auf Lebenszeit gegründet. Jeder hat sein eigenes Stockwerk, gegessen wird oft gemeinsam, es soll sogar Kinder geben….

Einsam-Zweisam-Dreisam. Palästina-Israel-Deutschland. Vernunftehe trifft auf Liebe, Liebe trifft auf Angst, Angst trifft auf Verantwortung, Verantwortung auf Last, Last auf Chance. Am Ende sind wir die, die wir sind. Nicht mehr und nicht weniger. Teile einer Gesellschaft, die uns mit Merkmalen versehen hat, die wir uns nicht ausgesucht haben. Ich Deutsche, Du Israelin, er Palästinenser. Packen wir sie an, die Beziehung. Eine andere gibt es nicht.

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