Israel’s Love and Iran’s fear

21 Mrz

Israel loves Iran

Der Regierung eins ausgewischt: israelische Posterkampagne auf facebook.

Wer hat eigentlich Angst vor wem im Nahen Osten? Muss Israel Angst haben vor iranischen Bombentüftlern, die an einem Atomwaffenprogramm arbeiten, das noch gar nicht fertig ist? Oder sind es vielmehr die 75 Millionen Iraner, die jetzt zittern seit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im vergangenen  November den Iran als Israels Erzfeind Nummer eins ausgemacht hat? Ich traf gestern eine Frau auf der Straße aus der Nachbarschaft, deren Stimme ernst und dunkel wurde als sie ihre Sorge vortrug: „Der Iran droht mit der Atombombe und will Israel auslöschen. Vielleicht wird es den Staat Israel dann irgendwann nicht mehr geben. Ich habe Angst!“ Ja, ich auch, dachte ich nur während ich den silbernen hebräischen Buchstaben l’chaim   (= auf das Leben), der an ihrer Halskette baumelte, betrachtete. Ich habe Angst, dass sich weiter Spaliere bilden zwischen dem ach so zivilisierten Westen, dessen Teil ich als Deutsche bin, und dem verwilderten arabischen Osten, der nach Demokratie sucht und islamische Parteien gründet. Mein gebildeter, aufgeklärter Westen in Form der Bundesrepublik Deutschland hat jetzt gerade wieder Israel Unterstützung zugesagt, indem es drei U-Boote der Sorte Dolphin zugesagt hat. Dolphins sind Kriegswaffen, die Raketen transportieren können und werden genau zu dem Zweck eingesetzt. Die Bevölkerung des eingesperrten Gazastreifens litt besonders unter deutschen Waffen 2008/2009 als die israelische Armee in Gaza einrückte und 1500 Zivilisten tötete. Die unbemannten Drohnen, die vom Himmel herunterkamen und Kinder, Frauen und Männer schwer verletzten und töteten, kamen aus unserer Heimat. Hatten wir Deutsche nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, der Zerstörung und fast vollkommenen Auslöschung des jüdischen Volkes mit Massenvernichtungsmitteln gesagt „NIE WIEDER?“

Wahre Freundschaft zu Israel?

Einwohner der Stadt Kiel wollen jetzt beim Ostermarsch gegen Israel und die deutsche Beteiligung an Kriegen demonstrieren, wie die taz berichtet. Im taz-Artikel heißt es: „Seit Ende Februar liegt das erste U-Boot der neuen Dolphin-Klasse im Dock der Kieler HDW-Werft. Nach Informationen der ARD-Tagesschau haben die Boote Mittelstreckenraketen an Bord, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Ein israelischer Regierungsmitarbeiter sagte der Tageszeitung Haaretz, die Lieferung aus Kiel habe „große strategische Bedeutung“ für Israels Sicherheit.“ Aha, da haben wir sie also wieder, die Atomwaffen. Die „Freundschaft“ zu Israel besteht nicht aus Reflexion über die deutsch-jüdische Geschichte, aufrichtige Anteilnahme und konstruktive Kritik bezüglich Israels  auf der Basis internationalen Völkerrechts. Sondern Waffen- und Geldlieferungen. Geht so Frieden? Aber kommen wir zurück zum Iran und einer möglichen Bombengefahr. Die Verwirrung ist da. Und groß. Bei aller Ernsthaftigkeit, die das Thema birgt und bei allen Ängsten auf beiden Seiten, ist dennoch bemerkenswert, dass sich derzeit – seit sich die Drohgebärden auf beiden Seiten gesteigert haben – fast niemand in der deutschen Medienlandschaft und darüber hinaus mit der Bedrohung israelischer Atomwaffen beschäftigt. Das ist fast schon putzig. Der Iran ist böse, aber Israel nicht? Dabei ist Israels Rüstungsprogramm im Gegensatz zu der vermuteten iranischen Atomwaffe ein ganz reales. Es ist daher passend an einen alten Freund Israels zu erinnern, der als erster öffentlich über Israels Atomwaffen sprach. Mordechai Vanunu, Nukleartechniker in Dimona, hatte 1986 nach seinem Weggang aus Israel in einer englischen Zeitung über die Rüstungsprogramme und Waffen seines Heimatlandes gesprochen. Er wurde als Landesverräter inhaftiert und kam 2004 unter strengen Auflagen frei. Vanunu hat sicher eine Meinung zur derzeitigen Endzeitstimmung, die Netanjahu verbreitet. Leider darf er die aber nicht sagen, da er weder reden noch schreiben noch das Land verlassen kann. So kann Heimat zum Gefängnis werden und Demokratie verkommt zu einer Worthülse. Der israelische Friedensaktivist mit deutschen Wurzeln, Uri Avnery, hat einmal einen Witz dazu erzählt, der so geht: In der Dunkelheit eines Kinosaales hört man eine Frauenstimme: „He! Nimm deine Hände weg! Nicht du! Du!“ Dieser alte Witz illustriert die amerikanische Politik, wenn es sich um Atomwaffen im Nahen Osten handelt. „He, ihr da, der Irak, der Iran und Libyen macht Schluss damit! Nein, Israel, du nicht!“

Iranische Juden gehen nicht nach Israel

Aber, hey, was ist jetzt eigentlich mit den 250.000 iranischen Juden, die im jüdischen Staat mit 20%-iger palästinensischer Bevölkerung leben? Und was ist mit den rund 25.000 Juden,

Die iranische Antwort auf die Posterkampagne ließ nicht lange auf sich warten...

Die iranische Antwort auf die Posterkampagne ließ nicht lange auf sich warten...

die in ihrer Heimat Iran leben? Nach dem Inkrafttreten des Mullahregimes im Iran verließen nach 1979 viele Juden das Land und siedelten sich woanders an –  nur ein Drittel der Exilanten allerdings im jüdischen Staat. Warum geht ein bedrohtes Volk nicht in das „Land der Väter“, wenn es doch dort eine Heimstätte und Zuflucht vor Verfolgung und Feinden dieser Welt finden wird? Die Antwort liegt irgendwo im Graubereich zwischen Diskriminierung von arabischen und afrikanischen Juden in Israel, einer fatalen Spaltung zwischen „jüdischer“ und „arabischer“ Lebens-Welt (die Jahrhunderte lang eine war!) und einem Unwohlsein arabischer Juden, sich zwischen dem jüdischen Staat und ihrer arabischen Herkunft, Sprache und Kultur entscheiden zu müssen, weil Israels Politik ihnen keine andere Wahl lässt. Mittlerweile verlassen mehr Juden Israel, als dass sie dort einwandern. Ein Staat, der die palästinensische Bevölkerung ihrer Lebensgrundlage beraubt und sich seit 1967 (und in Teilen auch schon vorher) dem Völkerrecht widersetzt, ist nicht mehr attraktiv. Und Sicherheit garantiert er seinen Bürgern schon mal gar nicht.

Wir lieben Euch!

Ein paar iranische Juden sind schon in Berlin gestrandet. Die Poster-Kampagne eines israelischen Ehepaares mit der Aufschrift „Iranians, we love you. We will never bomb your country“ ist fast rührend, die facebook-Gruppe „Israel loves Iran“ hat jetzt 8500 Mitglieder. Ich finde, wir sollten nicht  nur traumatisierte Israelis hier aufnehmen, die mittlerweile schon eine ganze  Kleinstadt mit ihren rund 15.000 Einwohnern in Berlin füllen könnten und die Stadt bunt machen. Iraner, welcome, too! Wer immer Angst vor der israelischen Atombombe hat, der komme hierher! Lasst uns gemeinsam türkischen Kaffee in Mitte trinken.

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