Gute Schuhe braucht das Land

9 Sep

Pumps to go von Rahalashoes.           Fotos: Liva Haensel

Pumps to go von Rahalashoes. Fotos: Liva Haensel

Man kann nicht gerade sagen, dass Palästina arm an Schuhen ist. Im Gegenteil. Ballerinas, Schnürschuhe, Sandalen, Tiptoes, sie alle baumeln vor den Shops der Städte an Drahtgerüsten und warten darauf, dass sie ein williger Käufer mitnimmt. Aber wer hat Lust auf „made in China“, wenn es doch auch „made in Palestine“ gibt?

Sandale mit palästinensischer Stickerei.

Sandale mit palästinensischer Stickerei.

Imad Abed Al Qader ist ein kleiner, rundlicher Mann mit breitem Schädel, auf dem sich kein einziges Haar mehr befindet. Er bindet sich eine Schürze um, setzt sich flink an die Nähmaschine und greift sich dann einen kirschroten Lederflecken. „Deutsche wollen, dass immer alles glatt geht, sie sind klar und zielgerichtet und wenn etwas nicht klappt, sind sie schnell verärgert“, sagt der Besitzer von Rahala Shoes. Erfahrungen, die ein Schuhdesigner in Ramallah mit deutschen Kunden macht. Die Einwohner der Stadt mit Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde, die prozentual die meisten Ausländer aufgrund der hohen NGO-Dichte hat, kaufen gerne bei Imad ein. Denn die Schuhe im kleinen Laden sind handgemacht, alle aus Leder und in trendy Farben erhältlich. Dass es sie nicht in Berlin-Kreuzberg gibt, aber dafür ausgerechnet in Ramallah-City, unauffällig auf 40 Quadratmetern, ist da fast verwunderlich. Aber weil in Palästina vieles möglich ist, sich auch Mini-Ananas neben Kentucky Fried Chicken und kitschigen Herz-Gasluftballons finden, gibt es hier eben auch erstklassige Rahala Shoes.

Schuhmacher Imad Abed Al Qader

Schuhmacher Imad Abed Al Qader

In Ramallah Mangel an Schuhmachern

Imad fertigt pro Tag rund 30 Paar Schuhe  in seiner kleinen Werkstatt um die Ecke des Geschäfts an. Wenn es besonders viele Bestellungen gibt, müssen seine Mitarbeiter in Hebron ebenfalls ran an die Werkmaschinen. „Ich würde lieber Schuhhandwerker in Ramallah haben“, sagt Imad, „aber hier gibt es keine mehr.“ Die jungen Männer wollen lieber studieren, Mädchen kennenlernen und in die Welt hinaus. Da sei kein Platz mehr für ein echtes Handwerk, bedauert der Schuhmacher. Imad lernte seinen Beruf in Jerusalem bei dem armenischen Schuhdesigner Karkur Bustian. Der Künstler brachte ihm nicht nur bei, wie man Schuhe selbst handgemacht herstellt, sondern auch, wie Designs und Farben entwickelt und

Chic in Ramallah

Chic in Ramallah

diese gekonnt kombiniert werden. 1985 eröffnete Imad seinen ersten Laden in Nablus, seiner Heimatstadt. Weil er gegen die israelische Besatzung kämpfte, landete er während der Ersten Intifada im Gefängnis und musste sein Geschäft wieder schließen. 2008 zog er mit der Familie nach Ramallah.

Apfelgrün anstelle von silber

Ehefrau Raheb stellt mit anderen Frauen traditionelle palästinensische Stickereien auf Samtstoff her, die anschließend von ihrem Mann auf Stiefelschafte, Sandalenriemen oder Pumps genäht werden. Das Logo „Made in Palestine“ mit dem kleinen Schäfer daneben auf der Sohle rundet die Authentizität vollends ab. Wer guten Laufkomfort zu einem moderaten Preis haben will, ist bei Rahala Shoes richtig. Zu wählerisch darf man allerdings nicht sein: Da jeder Schuh handgefertigt ist, sind Größen schnell ausverkauft und Imad braucht eine Woche, um diese nachzumachen. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass der Kunde ein alternatives Paar nimmt oder beim Abholen seiner Wunschschuhe feststellt, dass der Silberstreif auf der Sandale jetzt apfelgrün ist. Aber das spielt keine Rolle. Denn Hauptsache, das „Made in Palestine“ stimmt.

100 % echte Kunst

100 % echte Kunst

Rahala Shoes – Hand Made in Palestine  –

Al Ersal Street/Daragma Center, Ramallah – Westbank

www.rahalashoes.com

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