Archiv | Januar, 2014

Oxfam, it is time: Set the Human Rights now free!

27 Jan
Free Palestine: Palästinenser in Bethlehem mit der für sie wichtigsten Botschaft zu Weihnachten.  Foto: Haensel

Free Palestine: Palästinenser in Bethlehem mit der für sie wichtigsten Botschaft zu Weihnachten.
Foto: Haensel

Mit dem Slogan “Set the bubbles free” wirbt die Schauspielerin und Oxfam-Botschafterin Scarlett Johansson für die israelische Marke Soda Stream, die illegal in der Westbank operiert. Trotz weltweiter Kritik von Menschenrechtsaktivisten und Oxfams Bedenken hält Johansson dennoch an ihrem Werbevertrag fest. Der Entwicklungshilfe-Riese Oxfam ist jetzt in der Position zu reagieren. Und wir alle, wenn wir wollen, dass diese schlechte Geschichte ein gutes Ende findet.

 

Offener Brief an Oxfam Deutschland e.V und Oxfam International

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E-Mail: info@oxfam.de

Sehr geehrter Herr Joris Voorhoeve

sehr geehrte Frau Winnie Byanyima

sehr geehrtes Oxfam-Management,

in ihrem der Öffentlichkeit zugänglichen Dokument „20 FACTS: 20 YEARS SINCE THE OSLO ACCORDS“ beschreiben sie die Situation der palästinensischen Bevölkerung in Details.  20 einzelne Punkte sind dort aufgelistet und mit seriösen Quellen unterlegt, die aufzeigen, warum Oslo für Palästinenser ein Windbeutel ohne Sahne, aber für Israelis die profitable Kirsche on the top darstellt.

Sie schreiben in Ihrem Bericht: „Land in den A- und B-Gebieten kostet dort bis zu 150 Prozent mehr als eine vergleichbare Landfläche im C-Gebiet. Die Kosten für Flächen in Gebiet A und B sind aufgrund von Restriktionen gegen eine palästinenische Entwicklung in dem  C-Gebiet extrem gestiegen. Der Mangel an Land aber ist es, der direkt in nur geringfügige Erträge und eine erhöhte Arbeitslosigkeit führt und der bewirkt, dass sich palästinensische Produkte nicht auf dem Markt halten können.“

Sie betonen in Ihrer Zusammenfassung, dass Siedlergewalt gegen die palästinensische Bevölkerung weiter zunimmt, palästinensische Zivilisten keinen Schutz dagegen erfahren und dass mittlerweile 42 Prozent der Westbank von illegalen jüdischen Siedlungen durchzogen seien; darunter von mehr als 100 Outposts.

Am wichtigsten aber ist dieser von Ihnen verfasste Satz: Palestinians continue to pay the price for the ongoing Israeli occupation – Palästinenser zahlen weiterhin den Preis für die fortdauernde israelische Besatzung.

Es ist löblich, dass Oxfam als große und bedeutende Entwicklungshilfe-Organisation eine klare Stellung bezieht in Hinblick auf die illegale israelische Besatzung, die nach den Genfer Konventionen und Internationalem Recht völkerrechtswidrig ist. Damit stellt sich die Organisation auf die Seite der Menschenrechte und auf diejenige, auf deren Grundlage sich auch zahlreiche Israelis, Juden, Palästinenser und andere Menschen weltweit für Frieden in der Region und ein Ende der Besatzung einsetzen. Das SodaStream-Statement von Scarlett Johannson hat gezeigt, dass die Oxfam-Botschafterin, die sich für eben diese Menschenrechte einzusetzen meint, die klare Position Oxfams nicht verstanden hat und sie nicht erfüllt. Maale Adumim ist laut den Osloer Abkommen kein A-Gebiet, sondern liegt in der Peripherie Ost-Jerusalems, das derzeit laut UN Ocha von rund 200.000 israelischen Siedlern illegal bewohnt wird. Ihr hoher Lebensstandard wird dafür mit bis zu 5-fachen Subventionsspannen vom Staat Israel finanziert. Die Firma SodaStream befindet sich auf palästinensischem Land, auf dem einst tausende Menschen lebten und arbeiteten, fürr die dieses Land jenseits von Jerusalem gelegen ihre Heimat bedeutete. SodaStream baut keine „Brücken“ wie sein Management  und Johansson behaupten, und wirkt auch nicht Armut entgegen, sondern geht einher  mit der einseitigen Politk Israels zugunsten jüdischer Staatsbürger und zu Ungunsten der palästinensischen. Wer Land enteignet, sich selbst aber schönredet damit, dass er ja den Menschen, die das Land dadurch verloren haben, Arbeitsplätze anbietet, ist zynisch. Oder profitorientiert oder beides. SodaStream verletzt die Menschenrechte. Wer damit eine Liason eingeht, setzt auch keine Blasen mehr frei, sondern nur noch Phrasen (siehe Johanssons Statement, das sie vergangenen Freitag an die Redaktion der Huffington Post schickte.)

Maale Adumim steht stellvertretend für eine aggressive Siedlerkolonialismus-Politik Israels, die von vielen Menschen in Israel, Deutschland und natürlich Palästina selbst abgelehnt wird, weil sie nicht mehr mit demokratischen Werten vereinbar ist.

Waehrend die Maschinen in dem SodaStream-Werk in Maale Adumim rattern, mischen die Zementmaschinen die Baumasse fuer neu angekuendigte 1800 Wohneinheiten in ebensolchen Siedlungen. Sie sind es auch, die eine 2-Staatenloesung schon vor Jahren unmöglich gemacht haben, an die Palästinenser ohnehin nicht mehr glauben. Denn wie soll ein Fleckenteppich mit 500.000 jüdischen Siedlern, 500 Checkpoints und einem abgetrennten Strassensystem ein Staat werden?

Scarlett Johansson hatte eine einmalige Chance, auf die Kritik zu ihrem Werbevertrag mit SodaStream adäquat zu reagieren. Sie hätte aussteigen können. Auch, weil der Jüdische Staat eben nicht im Namen von allen Juden sprechen kann und soll. Das Geld braucht sie nicht. Sie hat es nicht getan. Jetzt haben Sie die einmalige Chance, Flagge zu zeigen. Für Menschenrechte und ein echtes Engagament für Frieden in Nahost, einer Region, in der Oxfam sehr engagiert ist. Die Palästinenser werden sehr genau beobachten, wie Sie sich jetzt verhalten werden. Eine Trennung von Johansson wäre ein klares Bekenntnis von Oxfam für die Schwachen und Leidtragenden. It is time: Set the Human Rights free!

Den Bericht „Communities in the Jerusalem Periphery at Risk of forced displacement“ von UN Ocha vom Juni 2013 kann man hier abrufen.

Grafik: www.visualizingplaestine.org

Grafik: visualizingpalestine.org

Oxfam veröffentlichte am Sonntag folgenden Text auf seiner Englisch sprachigen Webseite: “We have been engaged in dialogue with Scarlett Johansson and she has now expressed her position in a statement, including stressing her pride in her past work with Oxfam. Oxfam is now considering the implications of her new statement and what it means for Ms. Johansson’s role as an Oxfam global ambassador.”

 Das Statement von Scarlett Johansson erschien am 24.1.2014 auf der Webseite der Huffington Post:

„While I never intended on being the face of any social or political movement, distinction, separation or stance as part of my affiliation with SodaStream, given the amount of noise surrounding that decision, I’d like to clear the air.

I remain a supporter of economic cooperation and social interaction between a democratic Israel and Palestine. SodaStream is a company that is not only committed to the environment but to building a bridge to peace between Israel and Palestine, supporting neighbors working alongside each other, receiving equal pay, equal benefits and equal rights. That is what is happening in their Ma’ale Adumim factory every working day. As part of my efforts as an Ambassador for Oxfam, I have witnessed first-hand that progress is made when communities join together and work alongside one another and feel proud of the outcome of that work in the quality of their product and work environment, in the pay they bring home to their families and in the benefits they equally receive.

I believe in conscious consumerism and transparency and I trust that the consumer will make their own educated choice that is right for them. I stand behind the SodaStream product and am proud of the work that I have accomplished at Oxfam as an Ambassador for over 8 years. Even though it is a side effect of representing SodaStream, I am happy that light is being shed on this issue in hopes that a greater number of voices will contribute to the conversation of a peaceful two state solution in the near future.”

Zisch und weg

23 Jan
Foto: SodaStream

Foto: SodaStream

Scarlett Johansson ist das neue Gesicht von SodaStream. Aber die israelische Firma operiert in einer illegalen jüdischen Siedlung und Johansson ist als Botschafterin der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam tätig. Geht das gut?

Noch ist die Blase nicht geplatzt. Aber das kann jederzeit passieren. Scarlett Johansson sieht sich derzeit einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Die US-amerikanische Schauspielerin, die seit Jahren als Oxfam-Botschafterin für die britische Entwicklungshilfe-Organisation nach Afrika und Asien reist, hat einen Fehler begangen, den ihr Menschenrechtsaktivisten jetzt übel nehmen und Oxfam zu einem öffentlichen Statement auf der Webseite veranlasste. Ihr Management hatte der jüdischen Muse von Woody Allen offensichtlich nicht gesagt, dass sie mit ihrem neuen Vertrag mit der israelischen Sprudelwasser-Firma SodaStream im wahrsten Sinne des Wortes besetztes Gebiet betritt – und damit heißes Eisen anfasst. SodaStream hat seinen Hauptsitz in Mishor Adumim, einem Industriegebiet, das zu der illegalen Siedlung Maale Adumim in der Westbank gehört. Dort werden die Geräte und Flaschen hergestellt, für die Johansson jetzt wirbt. Am 2. Februar kommt ihr Werbestreifen mit  dem Sprudelwasserhersteller aus Anlass der Superbowl ins Fernsehen.

Auch in Deutschland bekannt

SodaStream wurde Ende der 90iger Jahre einer breiten deutschen Kundschaft bekannt, weil die Firma Geräte verkauft, mit denen sich einfaches Leitungswasser durch Kohlensäurezylinder in Mineralwasser verwandelt, das lästiges Flaschenschleppen spart. Nachdem sich die israelische Firma anfänglich gegen Konkurrenten wehren musste, setzte sich SodaStream schließlich als Marktführer durch und hat mit seiner Marke heute ein Monopol. Die Firma wirbt damit, dass sie 550 Palästinenser Arbeit gebe und diese sehr zufrieden mit den Bedingungen dort seien, weil sie nach Aussage des Managements dasselbe Gehalt verdienten wie ihre israelischen Kollegen. Unberührt davon bleibt die Tatsache, dass SodaStream auf von Israel illegal besetztem palästinensischem Land operiert. Dort, wo jetzt Mishor Adumim steht, existierten einst sieben palästinensische Dörfer. Die Siedlung Maale Adumim gehört zum sogenannten E1-Gebiet, das einem Strategieplan des kürzlich verstorbenen Ariel Sharon folgt. Dieser hatte vorgesehen, E1 – zwischen Jerusalem und der Westbank gelegen – zu konfiszieren und zu besiedeln. Würde E1 weiter ausgebaut werden, können Palästinenser künftig keine Straßen mehr zwischen Jerusalem und dem an Maale Adumim angebundenem Land benutzen, das den Norden mit dem Süden verbindet.

Es gibt keine Alternative

Die Abhängigkeit palästinensischer Kräfte von dem israelischen Arbeitsmarkt ist bedingt durch die israelische Besatzung, die als Haupthindernis für Frieden zwischen beiden Völkern gilt und sich vor allem in einer permanenten Siedlungsexpansion äußert. Die Fragmentierung der Westbank, Gazas und von Ost-Jerusalem durch den Mauerbau, restriktive Permitregelungen und weitere Faktoren beeinflussen die Erwerbstätigkeit und Arbeitslosenrate von Palästinensern enorm. Nach Angaben von UN Ocha sind derzeit 35 % aller Akademiker in den palästinensischen Gebieten arbeitslos. Arbeiter, aber auch Doktoranden und Masterabsolventen verdienen sich ihren Lebensunterhalt häufig in den jüdischen Siedlungen  – aus Mangel an Jobs. Ein palästinensischer Staat existiert nicht. Die Tätigkeit von Palästinensern bei der israelischen Firma SodaStream in MishorAdumim  wäre demnach unter der Kategorie „Es gibt keine Alternative“ zu verbuchen.

Oxfam lehnt Handel mit Siedlungsprodukten ab

Scarlett Johansson, zur „sexiest woman alive 2013“ gekürt, mag davon nichts gewusst haben. Als Jüdin allerdings könnte sie sich gezielt mit dem Jüdischen Staat auseinandersetzen. Und Internationales Recht und die Genfer Konventionen beachten, wenn sie das nächste Mal einen Vertrag unterschreibt. Die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt in ihrer Onlineausgabe, dass „SodaStream das erste Mal unter Beschuss von pro-palästinensischen Aktivisten kam, weil es eine große Firma in einer illegalen Siedlung in der Westbank“ unterhält. Es wäre an der Zeit, diese Kampagne gegen SodaStream und für Menschenrechte nicht nur auf ein „pro-palästinensisches“ Stereotyp zu reduzieren, sondern damit deutlich zu machen, worum es hier geht: um Landenteignung und damit Unrecht an Menschen. Wer die Sprudelmaschinen in deutschen Geschäften in den Regalen stehen sieht, sollte sich darüber bewusst sein, bevor er zur Flasche greift. Mit jedem Kauf eines SodaStream- Produkt unterstützt der Kunde die Verletzung von Menschenrechten in den besetzten Gebieten. Oxfam hat das erkannt und distanziert sich jetzt offiziell von seiner Botschafterin Johansson. „However, Oxfam believes that businesses that operate in settlements further the ongoing poverty and denial of rights of the Palestinian communities that we work to support. Oxfam is opposed to all trade from Israeli settlements, which are illegal under international law”, heißt es auf der englischen Webseite der Hilfsorgsanisation. Und weiter: Man habe nun seine Zweifel gegenüber Johansson geäußert. Bleibt abzuwarten, ob und wie diese nun reagieren wird. Ein Zisch und weg wäre das Beste für sie.

Zur Info: In Deutschland sitzt der SodaStream-Vertrieb in Limburg an der Lahn. Auf der Webseite kann man seinen nächsten Händler finden, die Firma wirbt mit dem Slogan „Einfach spudeln statt schwer schleppen“. Protestbriefe können an die dort angegebene Adresse geschickt werden. Auch der Händler um die Ecke freut sich vielleicht über ein bisschen Aufklärung, wo genau und unter welchen Bedingungen die von ihm angebotenen Produkte hergestellt werden.
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