Zisch und weg

23 Jan

Foto: SodaStream

Foto: SodaStream

Scarlett Johansson ist das neue Gesicht von SodaStream. Aber die israelische Firma operiert in einer illegalen jüdischen Siedlung und Johansson ist als Botschafterin der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam tätig. Geht das gut?

Noch ist die Blase nicht geplatzt. Aber das kann jederzeit passieren. Scarlett Johansson sieht sich derzeit einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Die US-amerikanische Schauspielerin, die seit Jahren als Oxfam-Botschafterin für die britische Entwicklungshilfe-Organisation nach Afrika und Asien reist, hat einen Fehler begangen, den ihr Menschenrechtsaktivisten jetzt übel nehmen und Oxfam zu einem öffentlichen Statement auf der Webseite veranlasste. Ihr Management hatte der jüdischen Muse von Woody Allen offensichtlich nicht gesagt, dass sie mit ihrem neuen Vertrag mit der israelischen Sprudelwasser-Firma SodaStream im wahrsten Sinne des Wortes besetztes Gebiet betritt – und damit heißes Eisen anfasst. SodaStream hat seinen Hauptsitz in Mishor Adumim, einem Industriegebiet, das zu der illegalen Siedlung Maale Adumim in der Westbank gehört. Dort werden die Geräte und Flaschen hergestellt, für die Johansson jetzt wirbt. Am 2. Februar kommt ihr Werbestreifen mit  dem Sprudelwasserhersteller aus Anlass der Superbowl ins Fernsehen.

Auch in Deutschland bekannt

SodaStream wurde Ende der 90iger Jahre einer breiten deutschen Kundschaft bekannt, weil die Firma Geräte verkauft, mit denen sich einfaches Leitungswasser durch Kohlensäurezylinder in Mineralwasser verwandelt, das lästiges Flaschenschleppen spart. Nachdem sich die israelische Firma anfänglich gegen Konkurrenten wehren musste, setzte sich SodaStream schließlich als Marktführer durch und hat mit seiner Marke heute ein Monopol. Die Firma wirbt damit, dass sie 550 Palästinenser Arbeit gebe und diese sehr zufrieden mit den Bedingungen dort seien, weil sie nach Aussage des Managements dasselbe Gehalt verdienten wie ihre israelischen Kollegen. Unberührt davon bleibt die Tatsache, dass SodaStream auf von Israel illegal besetztem palästinensischem Land operiert. Dort, wo jetzt Mishor Adumim steht, existierten einst sieben palästinensische Dörfer. Die Siedlung Maale Adumim gehört zum sogenannten E1-Gebiet, das einem Strategieplan des kürzlich verstorbenen Ariel Sharon folgt. Dieser hatte vorgesehen, E1 – zwischen Jerusalem und der Westbank gelegen – zu konfiszieren und zu besiedeln. Würde E1 weiter ausgebaut werden, können Palästinenser künftig keine Straßen mehr zwischen Jerusalem und dem an Maale Adumim angebundenem Land benutzen, das den Norden mit dem Süden verbindet.

Es gibt keine Alternative

Die Abhängigkeit palästinensischer Kräfte von dem israelischen Arbeitsmarkt ist bedingt durch die israelische Besatzung, die als Haupthindernis für Frieden zwischen beiden Völkern gilt und sich vor allem in einer permanenten Siedlungsexpansion äußert. Die Fragmentierung der Westbank, Gazas und von Ost-Jerusalem durch den Mauerbau, restriktive Permitregelungen und weitere Faktoren beeinflussen die Erwerbstätigkeit und Arbeitslosenrate von Palästinensern enorm. Nach Angaben von UN Ocha sind derzeit 35 % aller Akademiker in den palästinensischen Gebieten arbeitslos. Arbeiter, aber auch Doktoranden und Masterabsolventen verdienen sich ihren Lebensunterhalt häufig in den jüdischen Siedlungen  – aus Mangel an Jobs. Ein palästinensischer Staat existiert nicht. Die Tätigkeit von Palästinensern bei der israelischen Firma SodaStream in MishorAdumim  wäre demnach unter der Kategorie „Es gibt keine Alternative“ zu verbuchen.

Oxfam lehnt Handel mit Siedlungsprodukten ab

Scarlett Johansson, zur „sexiest woman alive 2013“ gekürt, mag davon nichts gewusst haben. Als Jüdin allerdings könnte sie sich gezielt mit dem Jüdischen Staat auseinandersetzen. Und Internationales Recht und die Genfer Konventionen beachten, wenn sie das nächste Mal einen Vertrag unterschreibt. Die israelische Tageszeitung Haaretz schreibt in ihrer Onlineausgabe, dass „SodaStream das erste Mal unter Beschuss von pro-palästinensischen Aktivisten kam, weil es eine große Firma in einer illegalen Siedlung in der Westbank“ unterhält. Es wäre an der Zeit, diese Kampagne gegen SodaStream und für Menschenrechte nicht nur auf ein „pro-palästinensisches“ Stereotyp zu reduzieren, sondern damit deutlich zu machen, worum es hier geht: um Landenteignung und damit Unrecht an Menschen. Wer die Sprudelmaschinen in deutschen Geschäften in den Regalen stehen sieht, sollte sich darüber bewusst sein, bevor er zur Flasche greift. Mit jedem Kauf eines SodaStream- Produkt unterstützt der Kunde die Verletzung von Menschenrechten in den besetzten Gebieten. Oxfam hat das erkannt und distanziert sich jetzt offiziell von seiner Botschafterin Johansson. „However, Oxfam believes that businesses that operate in settlements further the ongoing poverty and denial of rights of the Palestinian communities that we work to support. Oxfam is opposed to all trade from Israeli settlements, which are illegal under international law”, heißt es auf der englischen Webseite der Hilfsorgsanisation. Und weiter: Man habe nun seine Zweifel gegenüber Johansson geäußert. Bleibt abzuwarten, ob und wie diese nun reagieren wird. Ein Zisch und weg wäre das Beste für sie.

Zur Info: In Deutschland sitzt der SodaStream-Vertrieb in Limburg an der Lahn. Auf der Webseite kann man seinen nächsten Händler finden, die Firma wirbt mit dem Slogan „Einfach spudeln statt schwer schleppen“. Protestbriefe können an die dort angegebene Adresse geschickt werden. Auch der Händler um die Ecke freut sich vielleicht über ein bisschen Aufklärung, wo genau und unter welchen Bedingungen die von ihm angebotenen Produkte hergestellt werden.

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