Jerusalem fühlen

10 Apr

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Foto: Privat

Jerusalem kann man nicht verstehen. Diese Stadt muss man spüren, mit jedem Faser des Körpers, mit jedem der Sinne, die einem zur Verfügung stehen.

Jerusalem fühlt man.

Es gibt Menschen, die verfallen der Schönen, Goldenen, hoffnungslos. Einmal um die Altstadtmauern geschlendert, auf dem Tempelberg umhergestreift, den Freitagabend an der Klagemauer verbracht, schon ist es um einen geschehen. Vielleicht liegt es an der Vielfalt dieser Stadt, deren Stein- und Erdschichten sich im Laufe der  Jahrzehnte und Jahrhunderte so unzählig übereinander legten, dass Archäologen heute nur noch müde lächelnd abwinken: Ausgrabungen in Jerusalem? Ach, ganz wundervoll! Aber wo anfangen und wo aufhören…

Jerusalem, das Fass ohne Boden. Wer einmal anfängt, von ihr zu trinken, der will nicht mehr aufhören. Dabei ist hier nichts einfach und unkompliziert. Der Stadt hängt immer auch ein dunkler Trauerschleier über dem Haupt. Freilich, man kann all das vergessen. Gute Restaurants und Bars sind hier fast genauso zuhause wie in Tel Aviv. Aber der bittere Geschmack der israelischen Besatzung verfolgt einen dennoch in die besten Lokale, höchsten Aussichtsterrassen, in die Basare und vielen Kirchen.

Jerusalem, das ist hochsensible Dramaturgie, das ist ein Adrenalinstoß .

Die systematische Besatzungspolitik schnürt Palästinensern zunehmend die Luft ab. Die Enteignung von Land durch Behörden und jüdische Siedler verändert die geografischen Linien. 70 Jahre Israel bedeuten auch 70 Jahre Leid – für Palästinenser vor allem. Und Israelis.

Soldaten und Polizisten spannen ein Sicherheitsnetz um die Schöne. Oben am Himmel segelt die Drohne und sieht alles.

Hier wird hart durchgegriffen, kläglich geweint, zärtlich geflüstert.

Sicherheit contra Freiheit.

Nichts ist gegensätzlich. Ungleiche Paare lieben sich doch auch während Kinder fröhlich  in den Gassen plärren.

Im Armenischen Viertel verästeln sich die feinen Linien der Stadtsilhouette auf den farbenfrohen Keramikkunstwerken während die Stadtverwaltung  ihre unpolitischen Briefe zur Stadtaufteilung verschickt.

Jerusalem, was antwortest Du? Hast Du schon Dein Kleid für die Zukunft gewählt?

Jerusalem Cover
Tipp: Die Bundeszentrale für Politsche Bildung hat gerade ein Sonderheft herausgegeben: „Jerusalem“ kann man hier lesen oder gratis über die Webseite bestellen.

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