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Deutsche Freunde

19 Feb
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Babykleidung in der Altstadt Jerusalems.

Das Jahr 2016 hat uns medial heftige Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Meinungsträgern in Deutschland beschert, wenn es um Israel und Palästina ging. Hat es uns aber auch weitergebracht, wenn wir uns für Antisemitismus-Gefahr und Menschenrechte sensibilisieren wollen? Eine Reflexion

 

Im vergangenen Jahr– so meint man zu beobachten – passierte eine ganze Menge in Hinblick auf die deutsch-israelische Freundschaft. Und das zieht sich bis in dieses noch junge neue Jahr hinein. Die Beziehung zwischen Deutschland und Israel ist nicht mehr ganz so rund und straff wie ein frischgepflückter Apfel oder, sagen wir salopp, ein Baby-Po. Stattdessen machen sich hässliche Spannungsfältchen an der Oberfläche bemerkbar. Was ist passiert? Sind die Deutschen keine Freunde Israels mehr?

Linke Juden in Deutschland fühlen sich angegriffen von hier zionistisch Überzeugten, die wiederum am liebsten hätten, dass nicht-jüdische Menschen am besten gleich ganz die Klappe halten, wenn es um Israels Besatzungspolitik geht. Zu antisemitisch, zu pro-palästinensisch, zu irgendwas pro oder contra, so lautet stets der Vorwurf an Kritiker der israelischen Politik.

Ein paar Beispiele: Die Zeit

„Die Zeit“ experimentierte gerade mit einer Antisemitismusprüfung in Berlin-Neukölln. Sie liess Redakteurin Mariam Lau mit einem Rabbiner durch den Kiez laufen, in dem bekanntermassen ziemlich viele Araber leben. Dass in Berlin-Neukoelln auch ziemlich viele Israelis, Italiener und so manche Hipster wohnen, ist nicht so wichtig. Am Ende ist klar: Ja, in Neukölln haust der Antisemitismus. Der Rabbi musste sich einiges an Schmähungen anhören. Darüber ärgerte sich wiederum Armin Langer, ein jüdischer Publizist, der in Neukölln wohnt und das stereotype und voraussehbare Verhalten von Lau und Rabbiner daraufhin auf Zeit Online unter dem Titel „An der Front nichts Neues“ kritisch kommentiert.

Beispiel II : mit Israelflagge im Tagesspiegel

Der Tagesspiegel lässt 2016 – ebenfalls als journalistischen Test – zwei Redakteure mit Israelflagge Richtung Brandenburger Tor laufen. Es ist Fussballzeit und ja, hier sind viele Fans unterwegs, manche davon bierselig, manche auch nicht, aber alle mit einem festen Gewinner im Herzen und im Kopf. Die Redakteure kommen ins Schwitzen, denn – Überraschung! – mit der Israelflagge werden die beiden Jungs als vermeintliche Israelis wahrgenommen und ernten einige negative Reaktionen. Das ist gut für den Text und die beiden Jung-Journalisten – sie haben ihre Story für die Zeitung, genau das, was sie erhofft hatten zu schreiben und anhand von Zitaten darstellen wollen: Es gibt böse Menschen in Deutschland, die Israel nicht mögen und das auch sagen. Und spucken. Was Menschen mit der israelischen Flagge assoziieren und woher diese Meinungen kommen, was davon antisemitisch ist und was als Israel kritisch eingestuft werden könnte, diese Leistung bleiben sie den Lesern leider schuldig. Es wäre das eigentliche Thema des Artikels gewesen. Davon abgesehen, dass das Anspucken von Leuten generell absolut daneben ist, ganz gleich, mit was oder wem man sie verbindet, war auch diese Idee des Tagesspiegel möglicherweise etwas daneben. Zwei Fake-Israelis gehen mal los und sehen, was passiert… hm.

Israel kritisch, also tschüss

Ein drittes Beispiel ist der Streit um die palästinensische Filmreihe „After the last sky“ im Berliner Herbst vergangenen Jahres. Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Ballhaus in der Naunynstraße in Kreuzberg werden laut. Worte, wie Kolonialisierungsprojekt und ethnische Säuberung in Zusammenhang mit Israel sollen gefallen sein.  Debatten zwischen linken Israelis, deutschen Behördenträgern und politischen Aktivisten, pro und contra, entstehen. Und obwohl es so scheint, als würde sich in Berlin immer auch der Spiegel der gesamten Republik zeigen, setzen sich auch in Freiburg, München, Oldenburg und an vielen anderen Orten in Deutschland Menschen mit ihren unterschiedlichen Meinungen über Israels Besatzungspolitik und seiner Verletzung internationalen Rechts auseinander. Oft führte dies 2016 zum Ausladen, zum Tür-Zumachen für diese Menschen. Tschüss, Du bist Israel kritisch, ergo antisemitisch, also musst Du draussen bleiben! Im billigsten Fall werden kritische Juden als „selfhating“ Jews bezeichnet. Im besten und seltensten Fall bemühen sich Journalisten in deutschen Medien darum, ihre Position zu verstehen und einem differenzierten Verständnis des Nahostkonflikts schreibend einen Raum zu geben. Aber ein/-e scharfsichtige(r) Journalist_in, der/ die zum Beispiel die israelische Besiedelungsstrategie der Westbank permanent für uns analytisch begleitet und seziert, davon gibt es noch viel zu wenige. Oder haben Sie eine Ahnung davon, wie alt die ältesten Siedlungsblöcke Israels sind und wann Netanjahu diese nun annektieren wird? Eben.

Antisemitismusvorwurf als dunkle Wolke

Die Bilanz von 2016 ist wohl diese: Es wurde viel geschrieben über Israel, über Palästina und das in Deutschland, und alles eher auf Mikroebene. Gerade auch in den sozialen Medien wie facebook und twitter, in denen Menschenrechtsgruppen intensiv aktiv sind. Diese wehrten sich rege gegen Antisemitismusvorwürfe in 2016 und bezogen häufig Stellung für die Menschenrechte. Aber Deutschland hat, wenn es eine offene und differenzierte Debatte zum Nahostkonflikt betrifft – immer noch die Babyschühchen an. Sobald der Antisemitismusvorwurf wie eine depressive Wolke am grauen deutschen Himmel auftaucht, reagieren Veranstalter (Städte, Gemeinden, Universitäten, Rathäuser, Konzert- und Veranstaltungsräume) wie das Kaninchen vor der Schlange. Gelähmt und vor Angst erfüllt.

Dies muss anders werden, wenn wir tatsächlich an kritischen Diskursen interessiert sind, die sich nicht von Internationalem Recht lösen, sondern es als unabdingbare Basis betrachten wollen. Und wenn wir Antisemitismus als solchen wahrnehmen und ihm präventiv entgegengehen möchten. Bei inflationärem Nutzen eines Begriffs laufen wir Gefahr, zu verblöden. Wir werden immer kleiner und schlichter bis am Ende nichts mehr an der Bedeutung eines Wortes und seiner Folgen übrig bleibt in unseren Streitgesprächen. Wir treten diejenigen mit Füssen, die in ihrem Leben unter Antisemitismus wirklich leiden mussten und es heute noch tun. Wollen wir das?

Alles Gute für 2017. Bleiben wir Freunde.

 

 

 

 

 

Das schwarz-weiße Tollhaus

3 Okt

 

Der israelische Kinofilm „Life according to Agfa – Nachtaufnahmen“ wird derzeit bei dem Filmfest Hamburg, Landeskategorie: Israel Deluxe, gezeigt. Er gilt als Wegbereiter für den israelischen Film und löste gleichzeitig 1992, dem Jahr seines Erscheinens, eine heftige Kontroverse in Israel aus. Das Psychogramm einer gestörten Gesellschaft, gebannt auf Leinwand und festgehalten auf Fotos innerhalb einer einzigen Nacht, war das Werk von Assif Dayan. Der Regisseur war der Sohn des Außen- und Verteidigungsministers Moshe Dayan. Was macht den Film – 23 Jahre später – so sehenswert?

Von Liva Haensel

Hamburg – „Die zionistische Bewegung ist im Augenblick die nervöseste, die es gibt, habe ich gehört“. Das sagt Dalia (gespielt von Gila Almagor) kurz nachdem sie die Türen des Barby geöffnet hat. Das Barby in Tel Aviv empfängt jede Nacht die Einsamen, Gestrandeten und nach Liebe Suchenden. Plüschsofas und Holzstühle, eine schlichte Theke mit Telefon, eine Miniküche und ein Klo, auf dem Sex zu Liebe führen soll – das ist der Mikrokosmos, in dem alles möglich ist und doch nichts richtig funktioniert.

Ein Blutbad in den Morgenstunden

Hier arbeiten auch die Kellnerinnen Liora (Iris Frank) und Daniela. Liora liebt ihren Mitbewohner, einen sexsüchtigen Polizisten, den sie unterstützt, aber auf dessen Gegenliebe sie vergeblich hofft. Daniela (Smadar Kilchinsky) ist glückliche Besitzerin eines USA-Visums, aber hochgradig Kokain abhängig. Lebenskünstler und Barpianist Czerniak (Danny Litani) wird ihr im Laufe der Nacht von seiner Liebe singen, noch bevor die Gruppe israelischer Fallschirmjäger um den Oberst Nimi (Sharon Alexander) den kleinen Pub irgendwo zwischen Allenby- und Dizengoffstraße in den Morgenstunden erst sexistisch erobern will und schließlich in ein Blutbad verwandeln wird. Und auch die obligatorischen Araber – naturgetreu wie in echt – als Küchenpersonal tätig im Hinterstübchen, in dem sie Hummus und Salate zubereiten, zusammengeschlagen und mit Kopfwunde –  fehlen nicht in Assi Dayans Schwarz-Weiß-Film.

Jede Szene wurde nur einmal gedreht

Assi Dayan

Regisseur Assi Dayan kurz vor seinem Tod.                              Foto: Wikipedia

„Life – according to Agfa“, auf Deutsch: Leben, wie es Agfa bezeugt – nimmt kein Blatt vor den Mund. Es geht hier rauh zu. Die Darsteller sprechen nur manchmal, sie spucken lieber aus, kotzen, stammeln, würgen, lallen und seufzen – denn so hört sich das Leben an. Die Dreharbeiten müssen nicht minder schwierig gewesen sein, glaubt man den Erzählungen der Darsteller. Dayan drehte den Film innerhalb von zwei Monaten an nur 22 Tagen ab – meist in der Nacht. Seine Arbeitsweise bestand darin, den Schauspielern abzuverlangen, jede Szene lediglich ein einziges Mal zu drehen. Dann musste sie sitzen. Doch alle machten mit. In einem Interview mit der israelischen Zeitung Haaretz wird deutlich, wie sehr die Schauspieler in den Sog des Films hineingerieten. „Wir wussten, das ist nicht irgendein Film. Als ich das Drehbuch las, war ich völlig hin und weg“, sagt Dalia-Darstellerin Gila Almagor. So etwas hatte es vorher noch nicht gegeben.

Schweigen und Beifall

Der Regisseur galt durch seine langjährige Drogensucht als angeschlagen, sein Gesundheitszustand war instabil. So sehr, dass der Geldgeber, der israelische Film Fund, ihm nicht zutraute, den Film tatsächlich fertigstellen zu können. Doch die 600.000 $ sollten gut angelegt sein: „Agfa“ sahen in Israel 250.000 Zuschauer, der Film lief darüber hinaus mehrere Monate in den europäischen Kinos und auf der Berlinale. Letztere widmete ihm einen besondere Würdigung und bescheinigte dem Regisseur viel Mut, solch einen Film auf die Leinwand gebracht zu haben. Bei seiner Premiere in der Cinematheque Jerusalem 1992 soll das Publikum am Ende für Minuten vollkommen geschwiegen haben, ehe es in tosendem Beifall ausbrach.

Hatte der Regisseur geahnt, dass sich Israels Situation noch zuspitzen würde?

Das hebräische Filmplakat von 1992: Ha Chayim Al Pi Agfa

Das Filmplakat im Original: Ha Chayim Al Pi Agfa.

 

Dayan überlebte seinen Film noch um 22 Jahre. Vergangenes Jahr starb er mit 68 Jahren in Israel. Er hat die zweite Intifada noch erlebt, die Gazakriege, die sein Land gegen die Palästinenser führte, und den Einzug der israelischen Truppen in den Südlibanon 2006. Wusste er,  dass „Life – according to Agfa“  noch gar nicht die Spitze des Eisbergs sein würde? Hatte er geahnt, dass Israel, seine Heimat und Besatzungsmacht über 5 Millionen palästinensische Bürger und rund 1,5 Millionen israelische Araber, es noch weiter treiben würde? Wir wissen es nicht. Denn Dayan wollte sich später nie wieder über seinen Nacht-und-Nebel-Film in einer spelunkigen Tel Affiver Bar äußern. Dafür tat es der Produzent von „Agfa“, Yoram Kislev: „Wenn das zionistische Experiment dem Ende zugeht und wir alle irgendwo in Europa und an anderen Orten der Welt leben, dann, so denke ich, wird der Film auf wunderbare Weise ausdrücken, welches Leben wir hier damals hatten.“

Ist das „zionistische Experiment“ zu Ende?

Etwas Positives hat Dayans Film auf jeden Fall: Er ist auch nicht trauriger als die Realität in Israel selbst.  Und was innerhalb einer Nacht und in wenigen Stunden an Zerstörung, Gewalt, Ablehnung und Macht zutage tritt, ist an Ehrlichkeit nicht zu übertreffen. Bis zur Schmerzgrenze.

Der Film ist auf youtube in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln (siehe auch oben) zu sehen. Das Filmfest Hamburg geht noch bis zum 10.10.2015, das Programm der israelischen Filme finden Sie hier.
Zusatz vom 7.10.2015: Den Film kann man auch in der Videothek „Third ear“ (hebräisch: Ha ozen Ha shilshit) in der Cinematheque Jerusalem ausleihen.

Israel verspiegelt

26 Apr

In der Reihe „Spiegel Geschichte“ ist jetzt Heft Nummer 2 mit dem Titel: „Israel. Land der Hoffnung, Land des Leids“ erschienen. Der etwas pathetisch anmutende Name erweckt den Eindruck, dass es sich hierbei um ein rein pro-israelisches Heft handeln könnte. Doch der Inhalt überrascht

Natürlich ist auch die Geschichte einer Holocaust-Überlebenden mit dabei. Das gehört dazu. Der Staat Israel, die „Heimstätte für das jüdische Volk“, war Rettungsanker für tausende Flüchtlinge, die aus dem nazifizierten Europa fliehen mussten. Und der Holocaust war es, der die Staatsgründung auf einem Stückchen Erde, auf dem vor 1948 bereits 800.000 Araber lebten, vielleicht gänzlich notwendig erschienen ließ.

So erfährt der Leser ab Seite 30 in dem Spiegel-Heft Israel also vom Leben der Schoschana Rabinovici, die eigentlich einmal im Wilma der 1930iger Jahre Susanne Weksler geheißen hatte und die Dank der Umsichtigkeit ihrer Mutter und einigen glücklichen Zufällen den Nazischergen im Ghetto und Konzentrationslager immer wieder von der Todesschippe springen konnte. Rabinovici lebt heute in Tel Aviv und blickt von ihrem Hochhaus-Apartment über das blaue Mittelmeer – Paradies und Hölle zugleich. „Ich bin Demokratin“, sagt die 82-Jährige in dem Text. „Ich kann nicht einen anderen behandeln so wie man mich selbst behandelt hat.“ Damit spielt die alte Dame, deren Sohn der bekannte Wiener Autor Doron Rabinovici ist, auf Israels Besatzungspolitik an. Und Zack! – der Leser befindet sich auch hier, mitten in der Autobiografie einer Frau auf fünf Seiten, die nur in allerletzter Sekunde den deutschen Gaskammern der Konzentrationslager entkam, im Nahostkonflikt.

Auch ein großer Palästinenser kommt zu Wort

Es ist die Stärke dieses Spiegel-Heftes und ihrer einzelnen Texte, dass die (zumeist) deutschen Autoren offensichtlich keine Scheu hatten vor Tabus. Das ist gut so. Die Auswahl zeigt, dass Israels Sonnenseiten – Hightechnation, Kulturland, Luftbrücke zu arabischen Juden – viele synchrone Schattenseiten hat. Und diese werden aufgezeigt. Denn die Geschichte Israels geht nicht ohne diejenige der Palästinenser. Nicht ohne geschichtliche Meilensteine, Theodor Herzls fragwürdige Thesen zum Zionismus, die schwierige Identität der israelischen Araber im Land und kritische Stimmen zum Sechs-Tage-Krieg. Die Krise des Mossad wird in dem Heft ebenso wenig ausgespart (Autor: Ronden Bergman) wie Israels Gebaren gegenüber seinem Staatsbürger Mordechai Vanunu, der 1986 die Weltöffentlichkeit über die Atompläne seines Landes informierte und dafür eine lange Gefängnisstrafe erhielt, die bis heute andauert. Auch einer der großen Palästinenser kommt zu Wort – Saeb Erekat, palästinensischer Unterhändler und Fatah-Politiker. „Besatzung macht korrupt“ und „Der Frieden wird kommen. Ich werde ihn erleben“, sind Sätze, die sich widersprechen. Und gerade deshalb so wichtig sind, als gedruckte Zeilen vor sich zu haben.

Neues Kopf-Futter für Leser

Es ist eine Kunst, ein kleines Land mit großer Sogwirkung auf wenig Papier allumfassend darzustellen. Noch dazu, wenn sich dieses Land in einem andauernden Ausnahmezustand befindet. Eine Besatzungsmacht ist und eklatant gegen Menschenrechte verstößt. Man kann nur ahnen, wie viele Diskussionen es die Redakteure gekostet haben muss, bis sie ihr Konzept für das Israel-Heft fertig hatten. Herausgekommen ist ein überraschend neuer deutscher Blick auf Israel und seinen ungewollten Zwilling Palästina, der Nahostanfängern eine gute Einführungslektüre bietet und alten Hasen neues Kopf-Futter mischt.

Eine definitiv gute Reiselektüre für alle, die noch dieses Jahr Israel und Palästina erkunden möchten und ihren vielen Fragezeichen im Kopf dazu Herr werden wollen – möglicherweise bevor in der Region schon wieder der nächste Krieg entbrennt.

Der Spiegel Geschichte: Israel – Land der Hoffnung, Land des Leids. Erschienen im März 2015. Preis: 8.70 Euro. Erhältlich im Buchhandel
28 Mrz

Trotz zahlreicher Schwierigkeiten gelingt es israelischen und palästinensischen Friedensaktivisten häufig, sich gemeinsam für ein Ende der israelischen Besatzung zu engagieren. Aber das Ringen um Menschenrechte ist mühsam – und oftmals mit persönlichen Risiken verbunden

Die Israelis Efrat (li.) und Amiel in dem Dorf An Numan bei einem ihrer Besuche.  Foto: privat

Die Israelis Efrat (li.) und Amiel in dem Dorf An Numan bei einem ihrer Besuche.
Foto: privat

Von Liva Haensel

Ein Nudnik ist ein Mensch, der solange Fragen stellt, bis sein Gegenüber genervt aufgibt. Das Wort kommt aus dem Jiddischen und hat sich mittlerweile ins moderne Hebräisch, der Sprache der Israelis, hineineingeschlichen. Ein Nudnik ist wie die Pest, er lässt nicht locker, sagen die Rabbiner. Aber das Wort beinhaltet auch eine ausgezeichnete Eigenschaft: Beharrlichkeit.  Die braucht Efrat (48), wenn sie an einem israelischen Kontrollpunkt auf dem Weg in das palästinensische Dorf An Numan angehalten wird. „Du bist eine linke Ashkenazi-Schlampe“,  (Aschkenasim: europäischstämmige Juden; Anm. d. Red.)  bellt ihr der junge israelische Soldat dort entgegen, wenn sie mit ihrem Auto den Kontrollpunkt zwischen Jerusalem und Bethlehem passieren möchte. Die israelische Friedensaktivistin reagiert darauf meistens gelassen. „Nur neulich habe ich die Nerven verloren“, erzählt sie, „ich bin ausgestiegen, habe mit denen diskutiert und schließlich darum gebeten, mit dem diensthabenden Offizier zu sprechen“. „Mit denen“, damit könnte die Mutter dreier Kinder auch die Mehrheit der jüdischen Israelis meinen.  Diejenigen, die die Besatzung der palästinensischen Gebiete seit 1967 nicht in Frage stellen. Oder sie achselzuckend als gegeben hinnehmen, obwohl sie völkerrechtswidrig ist.

Sie werden beobachtet

Efrat ist politische Friedens-Aktivistin und gehört damit einer Minderheit in ihrem Land an. Ihren Nachnamen möchte sie lieber nicht im Internet oder einer Zeitung lesen, denn „ich hab‘ zwar keine Angst, aber man weiß ja nie“, sagt sie.  Als nach dem Ausbruch der 2. Intifada und der Bau der Sperranlage Besuche zwischen jüdischen Israelis und Palästinensern immer schwieriger wurden, trat sie 2002 der israelisch-arabischen Nichtregierungsorganisation Ta‘ ayush (arabisch; zusammen leben) bei.  Ta‘ ayush ist eine der wenigen Organisationen, die Grenzen im wahrsten Sinne des Wortes überwindet. Ihre jüdischen Mitglieder machen sich auf den Weg in die Westbank, um Gewaltexzesse zu beobachten und zu dokumentieren. Außerdem halten sie Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung. Das Büro der Vereinten Nationen in Jerusalem hat errechnet, dass Gewalt von Siedlern gegenüber Palästinensern in 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 150 Prozent gestiegen ist. Bei  Zusammenstößen wie in der Stadt Hebron, oder bei den vielen Freitags-Demonstrationen in palästinensischen Dörfern,  schützt die israelische Armee stets die bewaffneten Siedler. Nicht aber die Palästinenser. Die oft aggressive Gangart der israelischen Armee gegen friedlich demonstrierende Menschen mit dem Einsatz von Tränengaskanistern und Munition blieb lange unbeobachtet von der Welt. Die jüdischen Israelis  von Ta‘ ayush  setzen mit ihrer Präsenz etwas dagegen und stehen so den Palästinensern in ihrem gewaltfreien Widerstand bei. „ Die israelischen Soldaten und Polizisten müssen wissen, dass sie bei ihren Aktivitäten von uns beobachtet werden“, sagt  Efrat.

Die beiden Frauen trinken gemeinsam Tee

Durch  Ta‘ ayush  kam die promovierte Historikerin damals auch nach An Numan, einem Dorf östlich von Bethlehem. Manchmal sitzt  sie dort jetzt mit Fadwa Mansour (Name v. d. Red. geändert) in der Nachmittagssonne auf einem weißen Plastikstuhl draußen vor dem Haus nahe der kleinen Moschee, beide Frauen lachen gemeinsam und trinken süßen Tee. Efrat rezitiert ein Gedicht von Mahmoud Darwish, dem berühmtesten Dichter Palästinas, auf Arabisch. Die 30-jährige Fadwa lauscht ihren Worten, wenn ihre Freundin stockt, vervollständigt die Pharmazeutin die Verse. „Wir sind einsam hier in dem Dorf. Niemand besucht uns, wir sind von der Welt vergessen worden“, sagt Fadwa Mansour. Da sei  es schön, wenn wenigstens ein paarmal im Monat Besucher von außen kämen.

Ein paradoxes Schicksal

Als Israel 1967 die Westbank, Gaza, die Golanhöhen und Ost-Jerusalem einnahm, änderte die Regierung auch ihre Bebauungspläne. Land, das zwischen Jerusalem und dem nur 10 Kilometer entfernten Bethlehem lag, wurde zu großen Teilen konfisziert. Palästinensische Bauern verloren es an jüdische Siedlungen, die sich von kleinen Containeransammlungen zu heute mittelgroßen Städten entwickelten. An Numan mit seinen 200 Einwohnern gehörte nach 1967 somit zu Jerusalem und nicht mehr zu der palästinensischen Westbank. Die Einwohner bewarben sich bei der Stadtverwaltung daraufhin um spezielle Jerusalem-Ausweise. Aber die Behörden verweigerten sie ihnen. Die An Numaner wie Fadwa Mansour leben deshalb als illegale Einwohner in ihrem eigenen Dorf. Als Inhaber von Westbank-Ausweisen erhalten sie weder Baugenehmigungen der israelischen Behörden, noch dürfen sie ihren Ort problemlos verlassen. Palästinensische Besucher, ob  nun Verwandte oder die Müllabfuhr, haben keine Erlaubnis, das Dorf zu betreten. Dieses paradoxe Schicksal teilen rund 20.000 Menschen in der Westbank.

Der Schlüsselfaktor für Frieden

„An Numan ist ein Albtraum geworden, ein Freiluftgefängnis für seine Bewohner“, sagt Efrat. Seit 2002 besucht sie die Dorfbewohner regelmäßig. „Wir von Ta‘ ayush  wissen, dass wir

Ein ökumenischer Begleiter des Programms EAPPI kümmert sich um einen kleinen Jungen und seinen Vater, deren Grundstück von der Mauer umringt wird.  Foto: Haensel

Ein ökumenischer Begleiter des Programms EAPPI kümmert sich um einen kleinen Jungen und seinen Vater, deren Grundstück von der Mauer umringt wird.
Foto: Haensel

damit die israelische Besatzung nicht sofort beenden können“, sagt sie. Aber in schwierigen Momenten könne sie den Palästinensern wenigstens etwas beistehen. Als das Haus von Fadwa und ihrer Familie im Herbst 2011 von israelischen Bulldozern zerstört wurde, war die Friedensaktivistin  sofort zur Stelle. Die Zerstörung konnte sie nicht verhindern, aber sie schaltete andere Organisationen ein, die der schwer traumatisierten Familie mit einem späteren Hausbau aushalfen. Darunter waren auch Teilnehmer von EAPPI. Die Abkürzung steht für  „Ecumenical Acompaniment Program for Palestine and Israel“, das ökumenische Begleitprogramm vom Weltrat der Kirchen aus Genf. Ihre Teilnehmer kommen aus 25 Ländern nach Palästina und Israel, um dort für drei Monate mit den Menschen zu leben und sie in ihrem Alltag zu begleiten. Laut dem Statement auf der Webseite unterstützen sie israelische und palästinensische Aktivisten „bei ihren Bemühungen, die israelische Besatzung zu beenden“.  Allen Friedensgruppen dies- und jenseits der Grünen  Linie ist eins gemein:  Das Ende der Besatzung in den palästinensischen Gebieten gilt  für sie als Schlüsselfaktor für Frieden in der Region. Und es basiert auf den Forderungen  Internationalen Rechts und der Genfer Konventionen.

Himmel voller Tränen

EAPPI entstand in derselben Zeit wie Ta‘ ayush, auf dem Höhepunkt der 2. Intifada. Städte wie Bethlehem und Nablus waren damals wochenlang von der Außenwelt abgeriegelt, tausende Männer und Kinder saßen in Gefängnissen.  Der Himmel roch nach Feuer, Blut und Tränen.  Die Euphorie des Oslo-Abkommens von 1993 war verflogen, Palästina war immer noch unfrei. Es war die Zeit, in der Munib Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land,  die Kirchen weltweit um internationale Unterstützung bat, weil  sich das Wort Frieden in Luft aufgelöst zu haben schien.  Unter dem Motto „Kommt und seht“ wurden die ersten Freiwilligen – vom Chefarzt aus Deutschland bis zum Philosophie-Studenten aus Brasilien –  ausgesandt.

„Wir leben mit der Angst“

Daoud Nassar gründete sein Friedensprojekt Tent of Nations im Jahr 2000.  Foto: Haensel

Daoud Nassar gründete sein Friedensprojekt Tent of Nations im Jahr 2000.
Foto: Haensel

Neben den Treffen mit Efrat und Fadwa in An Numan gehört auch der Kontakt zu Daoud Nassar und seinem Projekt „Tent of Nations“  (Zelt der Völker) bei Bethlehem zu den Aufgaben der ökumenischen Begleiter. Daoud Nassars Großvater kaufte das Land oberhalb des Dorfes Nahalin während der osmanischen Zeit im 19. Jahrhundert und ließ sich  – damals ungewöhnlich – Besitz-Urkunden darüber geben.  1991 erfuhr die Familie Nassar durch Zufall, dass Israel das Land als sein eigenes ansehe. Die Familie schaltete einen Anwalt ein und verteidigt ihr Recht auf den Privatbesitz nun seit 22 Jahren vor dem Gerichtshof in Jerusalem. Die Nassars erhalten jährlich einen sogenannten Landkonfiszierungsbefehl der israelischen Armee. Sie dürfen offiziell nicht bauen  oder Strom- und Wasserleitungen auf ihrem Land legen. Für die 90.000 jüdischen Siedler, ihre direkten Nachbarn, ist dies erlaubt.  Doch anstelle wütend zu werden über die israelische Regierung, entwickelte Daoud Nassar in Andenken an seinen Großvater, einen lutherischen Christen, eine Begegnungsstätte für alle Völker und Religionen oben auf seinem Weinberg. Eine befreundete britisch-jüdische Friedensgruppe pflanzte 250 Olivenbäumchen auf dem Gelände. Es waren genau diese Symbole, die israelische Soldaten jetzt kürzlich zerstörten.  Anpflanzungen seien dort nicht erlaubt, hieß es. „Wir leben immer mit der Angst, dass wir eines Tages unser Land verlieren“, sagt Daoud Nassar. Aber Gewalt sei keine Lösung, denn beide Völker wollen in Frieden leben. Deshalb lud er auch israelische und jüdische Journalisten aus aller Welt ein. In der israelischen Zeitung Haaretz erschien  daraufhin eine winzige Meldung in der englischen Ausgabe über Tent of Nations, in der hebräischen aber nicht ein Wort. Daoud Nassar bedauert das: „Israelische Leser sollten erfahren, dass wir hier solche Friedensprojekte auf die Beine stellen.“

Eine Antwort auf Trennung

Damit diese Lücke geschlossen wird, haben sich einige Organisationen einer fairen Berichterstattung zum Nahostkonflikt verschrieben. Das Alternative Information Center (AIC) wurde 1984 von progressiven Israelis und Palästinensern gegründet. Auf die räumliche Trennung ihrer Nationen durch den Mauerbau 2003 reagierte die Organisation, indem sie neben ihrem Büro im israelischen West-Jerusalem ein weiteres im palästinensischen Beit Sahour eröffnete. „Wir berichten über Menschenrechtsverletzungen in den palästinensischen Gebieten, aber auch über die israelische und palästinensische Gesellschaft an sich“, sagt Sergio Yahni, Co-Direktor des AIC. Alle Israelis des AIC sind Anti-Zionisten – jüdische Menschen, die den Zionismus als Kolonialisierungsbewegung ablehnen.

Beide sind Nudniks

Für Palästinenser ist der Kampf um Freiheit  zu einem ständigen Luftholen geworden. Für Israelis wird er zunehmend zur Konfrontation mit den Werten ihrer eigenen Gesellschaft, die sich als demokratisch definiert. Beide sind Nudniks, beide wollen Antworten.  Ihre zentrale Frage an ihre Regierungen und die Welt lautet: Warum glaubt ihr an Krieg, wenn es doch keine Alternative zum Frieden gibt? Die einen fragen es als Besatzer, die anderen als unter Besatzung Lebende.  „Wir stehen den Palästinensern bei. Es ist eine frustrierende Aufgabe“, sagt Efrat, die demnächst ein Buch über die Geschichte von An Numan veröffentlichen wird.  „Aber zumindest tun wir sie gemeinsam.“

Der Artikel erschien kürzlich im monothematischen Magazin „Zur Sache“ zu Israel-Palästina, herausgegeben vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik in Frankfurt.

Ein schlechtes Geschenk

3 Feb
Foto: Adalah-facebook

Foto: Adalah-facebook

Die SPD wirbt derzeit mit einer Spendenaktion für den Jüdischen Nationalfonds. Der „Wald der SPD“ soll ein Geburtstagsgeschenk für den Staat Israel am 16. April sein. Aber die Aufforstung in der Negev-Wüste bedeutet eine weitere Land-Enteignung für die beduinische Ur-Bevölkerung

Von Liva Haensel

380 Euro ist Gilad Shalit, der ehemalige israelische Soldat, den Deutschen wert. Für diese Summe kann man laut dem Jüdischen Nationalfonds– Keren Kayemeth LeIsrael (JNF-KKL) 38 Bäume pflanzen, und das in Shalits Heimat Galiläa. Die Webseite der weltweit operierenden Organisation mit deutschem Sitz in Düsseldorf, ruft dazu auf, eigene Spendenaktionen zu initiieren. Die grüne Säule zeigt 4 Prozent an, für einen Wald fehlen noch ganze 9620 Euro.

Die Aktion der SPD sieht da im Gegensatz schon etwas erfolgversprechender aus. Die Partei wünscht sich „Bäume zum Geburtstag“ des Staates Israel in der Negev-Wüste und hat laut Spendensäule schon 6.281,50 Euro zusammen. Der deutsche Wald ist als Geschenk gedacht und um „nicht nur zur Aufforstung des Landes beizutragen, sondern auch ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen, das für lange Zeit Bestand haben wird“, heißt es auf der SPD-Seite. Das klingt gut, die Kommentare darunter allerdings zeigen eine andere Sicht. Vielleicht erklären sie auch, warum bisher nur 13 Prozent der gewünschten 50.000 Euro erreicht wurden, die Deutsche bereit sind, für einen deutschen Wald auf israelischem Boden auszugeben.

Es gibt einen Haken

Der Jüdische Nationalfonds wurde 1901 gegründet, um während der Britischen Mandatszeit in Palästina möglichst viel Land zu erwerben, das anschließend an jüdische Einwanderer verpachtet werden sollte. Ziel war es, das Land jüdisch zu besiedeln. Ab 1948 fiel diese Rolle jedoch weg, Israel hatte seine Staatsgründung vollzogen, der JNF war nicht mehr notwendig. Er konzentrierte sich daraufhin auf Aufforstung und Umweltprojekte in Israel, darunter vor allem großflächige Baumpflanzungen. Rund 14 Prozent des Staatsgebietes sind heute in den Händen des JNF, der nach eigener Aussage „Aufforstung, Wasserwirtschaft, Erholung und Freizeit, Erziehung sowie Forschung und Entwicklung“ betreibt und 50 Filialen in der ganzen Welt hat. Der Haken dabei ist, dass die Pächter des Landes niemals arabisch sein dürfen. Nur Juden ist es vorbehalten, Land des JNF zu bewirtschaften.

70.000 Menschen ohne Strom

Ein weiterer Punkt ist, dass nach 1948 die Mehrheit der Beduinen, eine arabische Volksgruppe mit nomadischer Kultur, durch Vertreibung und Enteignung ihre Heimat in der Negev-Wüste verlor. Die damals 500.000 bis 700.000 Beduinen gelten als Urbevölkerung in der Region und sind heute israelische Staatsbürger. Offiziell genießen sie dieselben Bürgerrechte wie jüdische Israelis. Doch Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und israelische Nichtregierungsorganisationen wie die „ Association for Civil Rights in Israel“ (ACRI) kritisieren seit Jahren die andauernde Diskriminierung der Beduinen im Negev (Arabisch: Naqab). In den 60iger Jahren musste die arabische Bevölkerung in sieben „Townships“ in den Nordosten ziehen, die nach Masterplänen der israelischen Regierung hochgezogen worden waren – ohne Absprache mit den einzelnen Beduinenstämmen. Viele der Bewohner weigerten sich und verblieben in ihren Dörfern, die bis heute von Israel nicht anerkannt werden. Keines der 35 Beduinendörfer mit ihren heute 70.000 Einwohnern erhält  Zugang zu fließendem Wasser, Strom, medizinischer Nahversorgung oder verfügt über öffentliche Transportmittel. Niemand dort erhält Baugenehmigungen, um Grundschulen und Wohnhäuser zu errichten oder zu erweitern. Die israelische Armee hat bis heute hunderte Male Gebäude wiederholt zerstört. Allein das Dorf Al Arakib wurde 45 Mal von israelischen Soldaten heimgesucht, die einfache Häuser mit Bulldozern niederrissen. In den Townships herrscht eine Arbeitslosenrate von bis zu 35 Prozent, Kriminalität und Armut rangieren ganz oben auf der Problem-Skala. 2011 wurde der sogenannte Prawer-Plan verabschiedet, der die Zerstörung der nicht anerkannten Beduinen-Dörfer vorsieht und gegen den Menschenrechtsaktivisten und Beduinen massiv protestieren.

Beduinen leben noch auf 3 Prozent ihres Landes

Die 35 „unrecognized villages“, die nicht anerkannten Dörfer, sollen nun erweitert und – unter Voraussetzung, dass sich die Beduinen israelischen Interessen beugen – laut dem neuen

Die nicht anerkannten Beduinendörfer im Negev und ihre Umgebung. Foto: privat

Die nicht anerkannten Beduinendörfer im Negev und ihre Umgebung. Foto: privat

Begin-Plan“ staatlich registriert werden. Das Ziel „dieser historischen Entscheidung“ sei es, „den illegalen Siedlungstätigkeiten der Beduinen ein Ende zu setzen und die Beduinen besser in die israelische Gesellschaft zu integrieren“, so Netanjahu kürzlich. „Alle Regierungen haben es bisher vermieden, dieses Thema anzugehen, doch diese mutige Entscheidung wird für Entwicklung und Wohlstand in der Negev-Region sorgen, zum Wohl all seiner Einwohner.“ Nicht gesagt hat Netanjahu, der jetzt eine neue Regierungskoalition bilden muss, dass die Negev-Wüste derzeit im Aufblühen ist, und dass durch massiven jüdischen Siedlungsbau in direkter Nachbarschaft zu den Beduinendörfern und Ägyptens Grenze. Außerdem wurde schon in den 90iger Jahren von dem Goldberg-Kommitee festgehalten, dass die Beduinen nur noch auf 3 Prozent ihres ursprünglichen Landes leben und für diesen Schaden bis heute nicht entschädigt wurden (siehe dazu das Positionspapier „Principles for Arranging Recognition of Bedouin Villages in the Negev“). Die Taktik der israelischen Regierung, den Begin-Plan als soziale Tat aussehen zu lassen, wird aller Voraussicht nach nicht aufgehen.

Glückwunsch und Erinnerung

Das „Zeichen der Verbundenheit der SPD“ und deutscher Spender kommt in einer Zeit, die ungünstiger nicht sein könnte. Die Unterstützung für eine Organisation, die ausschließlich Juden das Recht auf Land vorbehält in einem demokratischen Staat, der am vergangenen Donnerstag die Sitzung des UN-Menschenrechtsrates boykottiert hat, kann nicht reibungslos über die Bühne gehen. Auch die Tatsache, dass ausgerechnet die SPD dazu aufruft, deren Förderverein das Willy Brandt Center (WBC) in Jerusalem, eine Dialogstätte und politscher Bildungsträger mit Mitarbeitern des Zivilen Friedensdienstes, unterhält,  ist in diesem Kontext problematisch. Die Vorsitzende des Födervereins des WBC ist SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Die Politikerin wirbt aber auch als maßgebliches Zugpferd für den deutschen Wald im Negev. Wer als Deutscher Verantwortung für die deutsche Geschichte wahrnimmt, kann nicht gleichzeitig mit Menschenrechtsverletzungen anbandeln. Es scheint, die SPD sieht derzeit den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zeit, ihre Spendenaktion von der Webseite zu nehmen, hat sie noch bis zum 16. April. Dann feiert Israel seinen 65. Geburtstag, die Sozialdemokraten werden gratulieren. Und die arabische Bevölkerung erinnert an diesem Datum an ihre Flucht und Vertreibung.

Tipp: In der neuen facebook-Gruppe „I am invisible because you refuse to see me“ der NGO Adalah gibt es aktuelle Informationen über die Situation der Negev-Beduinen.

Veranstaltung zum Thema: Freitag, 15. Februar 2013, mit Gadi Algazi: Kann Kolonisation grün sein? Der Jüdische Nationalfonds (JNF/KKL) in Israel / Palästina – eine Veranstaltung des Arbeitskreises Nahost Berlin

Der stinkende Stiefel

24 Jan

Von Liva Haensel
Die Welt atmet auf. Israel hat gewählt, und die einzige Demokratie im Nahen Osten zeigt sich bunt – so gehört es sich für ein demokratisches Land mit ausgeprägter Streitkultur – und voller Neu- und baldiger Ex-Abgeordneter in der Knesset. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle gratuliert „nicht nur dem Wahlsieger, sondern auch allen, die jetzt als Abgeordnete gewählt worden sind.“ Dass jetzt eine zügige Regierungsbildung wichtig sei und dass der Friedensprozess im Nahen Osten „durch konstruktive Verhandlungen mit den Palästinensern vorangebracht werden soll“, betont er auch noch.

Verteilung der Mandate auf die Parteinen in der Knesset.  Grafik: Haaret

Verteilung der Mandate auf die Parteien in der Knesset.
Grafik: Haaretz

Auf keiner Agenda

Friedensprozess. Frieden und Prozess. Der Begriff wird seit Jahren so inflationär verwendet wie kaum ein anderer, wenn es um Israel und Palästina geht und den Konflikt zweier Völker, die dasselbe Land beanspruchen. Mit dem Friedensprozess ist es ein bisschen wie mit alten Stiefeln im Winterschlussverkauf: Sie stehen jedes Jahr wieder im Regal, der Preis um die Hälfte reduziert, das Leder schon etwas abgewetzt, die Farbe verblichen. Einst waren sie schick und en Vogue. Jetzt sind sie nur noch schnöde. Und werden trotzdem immer wieder angeboten. Es könnte ja sein, dass doch nochmal jemand zugreift. Die israelischen Wähler aber haben die Stiefel bei dieser Wahl nicht nur im Regal, sondern einfach im Regen stehen lassen. Frieden ist die Abwesenheit von Krieg, so hat es der norwegische Wissenschaftler Johan Galtung einmal definiert. Israel befindet sich seit 1948, dem Jahr seiner Staatsgründung, im Kriegszustand, weil es keinen Frieden gibt in der Region. Und weil der Krieg mit den Palästinensern, die sich gegen ihre Besatzung zu Recht wehren – 1.5 Millionen in Israel, 4.5 Millionen in der besetzten Westbank, dem Gazastreifen und den Golanhöhen – niemanden interessiert. Keine der Parteien hatte Verhandlungen mit den Palästinensern auf die Agenda gesetzt. Nur in dem Parteiprogramm von Tzipi Livni kam dieser Punkt vor. (Livni setzte sich mit ihrer neugegründeten Partei mit 5 Prozent der Wählerstimmen nicht durch und wird kein großes politisches Gewicht haben). Keiner der Wähler hatte dies auch je eingefordert. Schon gar nicht diejenigen, die zwar „Peace Factorys“ mit Herzen und zuckersüßen Slogans auf facebook gründen und Gruppen, die „Israel loves Palestine“ und „Israel loves Iran“ heißen. Aber dort niemals über die Besatzungspolitik ihres eigenen Landes, ergo über ihre eigene Verantwortung sprechen.

Israel, eine lahme Ente

Was kümmerts die Palme, wenn die Sau sich dran scheuert: Der Strand von Tel Aviv ist schöner als jede politische Diskussion. Foto: L. Haensel

Was kümmerts die Palme, wenn die Sau sich dran scheuert: Der Strand von Tel Aviv ist schöner als jede politische Diskussion.
Foto: L. Haensel

Aber die Israelis haben offensichtlich keine Lust auf Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Ideologie. Die vitale Demokratie im Nahen Osten erinnert eher an eine lahme Ente, die sich nicht mehr bewegen kann vor lauter Winterspeck, den sie sich vorsorglich angefressen hat. Besatzungsmacht, nächtliche Razzien, Unterdrückung und Tränengas, 500 Kontrollen und Checkpoints, Verletzungen und Tötungen an (jungen) Palästinensern, völkerrechtswidriges Verhalten und jahrelange Verstöße gegen die Menschenrechte? Gibt es nicht. Die sozialen Proteste des Sommer 2011, bei dem Studenten und Senioren auf die Straßen gingen, richteten sich gegen die großen Probleme der Mittelschicht-Bürger: Sozialabbau, unbezahlbare Mieten, steigende Lebenshaltungskosten, teure Bildung. „ Diese Proteste damals gingen weit mehr um den Preis von Hüttenkäse als um die Palästinenser, die Besatzung und Kolonisierung“, schreibt der Direktor des „Jerusalem Fund“, Yousef Munayyer, in seinem Artikel „What Israel’s Election Outcome Means—And Doesn’t Mean“. Das größte Thema – Israel herrscht über 6 Millionen Menschen, die nicht dieselben Rechte besitzen wie jüdische Israelis – haben die Wähler als unbequemen und stinkenden Stiefel von ihren Füßen abgestreift.

Lapid will kein palästinensisches Jerusalem

Die israelische Medien und auch die deutschen schreiben von „Denkzetteln“, die die wütenden Bürger ihrem Premier Netanjahu verpasst hätten. Die Israelis hätten „Frieden“ gewählt und nicht das rechts-nationalistische Lager. Freilich, Netanjahu hat Stimmen eingebüßt. Derzeit ist seine Likudpartei noch mit 42 Mandaten beauftragt, in einem Monat – wenn die neue Regierungskoalition gebildet sein wird – hat er lediglich 31. Sein Bündnis mit dem ehemaligen Außenminister Avigdor Lieberman gefiel gerade liberalen Städtern nicht besonders. Sie wanderten lieber zu dem charismatischen Journalisten Yair Lapid mit seiner Partei „Es gibt eine Zukunft“ (Yesh Atid, 19 Sitze) ab. Lapid will sich um sozialen Wohnungsbau kümmern und die gesetzliche Einbindung religiöser Juden, die bisher vom Staat einen Freibrief und finanzielle Zuwendungen erhielten. Nicht aber um einen palästinensischen Staat und die Menschenrechte. Bei den Parteien gibt es eine klare Trennlinie zwischen säkularen und religiösen, aber die Begriffe links und rechts sind irreführend. Ihr gemeinsamer Nenner ist immer der Zionismus und damit zionistische Interessen, die nationale sind und den jüdischen Staat bis heute kennzeichnen. Auch Lapid will kein palästinensisches Jerusalem und sieht die Stadt als unteilbar an.

Hebräischlernen im Gefängnis

Palästina vom Osmanischen Recih bis heute.  Grafik: Peace Now

Palästina – Entwicklung des Gebietes von der Zeit des Britischen Mandats bis heute.
Grafik: Peace Now

„Jedes Land kriegt die Regierung, die es verdient“, schreibt ein User in der facebook-Gruppe der Jüdischen Allgemeinen. „Für die Palästinenser interessiert sich niemand“, sagt ein israelischer Journalist, der seine Mails an Redaktionen gerne mit der Formel „mit zionistischen Grüßen“ beendet und sich darüber wundert, dass „viele Palästinenser oft so gut Hebräisch sprechen“. Dass die meisten Palästinenser vor dem Mauerbau, 2003, in Israel gearbeitet hatten und noch mehr von ihnen in israelischen Gefängnissen saßen (wo sie die Sprache lernten, weil niemand mit ihnen Arabisch redete), hatte er bei seinen Recherchen irgendwie nicht mitbekommen.

Ein Schubs ins Wasser

Netanjahu hat jetzt 26 Tage Zeit, eine Koalition zu bilden. Nimmt er Lapids Mitte mit, die einem hohlen Ei gleicht, wird es keine gewichtigen Entscheidungen geben. Sollte er das nationalistische Lager favorisieren und mit dem Software-Millionär Naftali Bennet (Ha-Bait ha-Yehudi mit 12 Stimmen) zusammengehen, wird nicht nur das Dorf Nahalin schneller als gedacht Geschichte sein, sondern auch Ost-Jerusalem als palästinensische Hauptstadt. Es ist alles eine Frage der Zeit. Die rundgefressene Ente kann jetzt nur noch von der internationalen Gemeinschaft ins Wasser geschubst werden, die am Ufer steht und die Szenerie beobachtet. Der Friedensprozess ist dort schon seit langem abgetaucht und liegt auf dem Grund neben einem alten, verrotteten Stiefel, made in Israel.

Nahalin – das ausradierte Dorf

23 Jan
Wird sein Dorf verlieren: Ein junger Bewohner von Nahalin.   Foto: Liva Haensel

Wird sein Dorf verlieren: Ein junger Bewohner von Nahalin. Foto: Liva Haensel

Rechte Regierung, Rechts-Mitte-Regierung oder Ultrarechts? Für die meisten Palästinenser spielt es kaum noch eine Rolle, wer an Israels Regierungsspitze steht. Als Bevölkerung unter Besatzung wird den 4 Millionen Bewohnern des Westjordanlandes und Gazas das Wahlrecht verwehrt. Die israelische Siedlungspolitik wurde schon in den 50iger Jahren des 20. Jahrhunderts intensiv vorangetrieben, vor allem unter den liberal-linken zionistischen Parteien. Was das für einzelne Dörfer in der Westbank bedeutet, wird Dreiecksbeziehung künftig näher beleuchten. Frei nach dem Motto: In jedem Dorf  leben Menschen, jedes Dorf hat eine Geschichte. Sie soll hier erzählt werden.

Am 14. November 1991 erscheint ein unauffälliges Buch bei Atlantic Monthly in den USA. „A season of stones“  (Zeit der Steine) wird kein Weltbestseller und ist heute allenfalls nur noch

288 Seiten: Winternitz Buch. Foto: Atlantic Monthly

288 Seiten: Winternitz Buch. Foto: Atlantic Monthly

in Antiquariaten und bei amazon in Ausnahmefällen erhältlich. Doch das Buch mit dem Untertitel „Life in a palestinian village“ (Leben in einem palästinensischen Dorf) beschreibt auf leise und beeindruckende Art das Zusammenleben zwischen Bewohnern des Dorfes Nahalin und einer amerikanischen Journalistin während der Ersten Intifada. Helen Winternitz, unverheiratet, modern, unkonventionell,  lebt für ein Jahr lang in dem konservativen 8000-Seelen-Ort, der südwestlich von Bethlehem liegt. Schon damals war Nahalin, das Dorf im Tal, von jüdischen Siedlungen umringt.

60 Prozent des Landes verloren

Winternitz beschreibt in „The season of stones“, wie Bulldozer die Erde plattmachen und uralte Olivenbäume niederwalzen. Zudem findet in Nahalin ein Massaker israelischer Soldaten an der Zivilbevölkerung statt, bei dem sechs Männer getötet werden. Bis 2008 unterhält das Caritas Baby Hospital aus Bethlehem, das einzige spezialisierte Krankenhaus für Kleinkinder in der Westbank und Gaza, dort eine Zweigstelle für Mütter. Offiziell wird es aus Geldmangel dichtgemacht. Damit rutschte Nahalin wieder in seine alte isolierte Lage zurück, eingequetscht zwischen jüdischen Siedlungen und ohne nennenswerte Verkehrsanbindung an größere Städte.

Israelischer Ausweis – und dann?

UN-Grafik zur Situation Bethlehems.

UN-Grafik zur Situation Bethlehems. Nahalin liegt südwestlich der Stadt.

Heute ist Nahalin nur noch ein gelber Fleck auf der Landkarte, der von der israelischen Regierung ausradiert wird. Umgegeben von elf Siedlungen, davon am direktesten von Betar Illit

im Norden, Newe Daniyel im Südosten, Rosh Zurim im Süden und Nahal Gevaot im Westen, sehen die Bewohner dort einer ungewissen Zukunft umgeben. Das wird auch die neu gewählte Regierung jetzt nicht ändern, im Gegenteil. Die Nahaliner haben vergangene Woche nun darüber Gewissheit bekommen, dass ihr Dorf ab April zu Israel gehören soll. Das berichtet ein Mitarbeiter des Rathauses. Israel plane demnach, das verbliebene Land vollständig zu konfiszieren. Was dann aus den palästinensischen Bewohnern werden soll, ist unklar. Sie könnten ihre Westbank-Ausweise behalten, würden dann aber komplett eingekesselt sein von israelischem Gebiet und sich nicht frei bewegen können. Im Falle, dass die Regierung ihnen die israelische Staatsangehörigkeit geben würde, wären sie zwar israelische Staatsbürger in der Westbank. Damit wären sie aber von den anderen Gebieten, Freunden, Familienangehörigen und Arbeitsplätzen in Bethlehem und den umliegenden Dörfern ebenfalls abgetrennt. „Wenn wir zu Israel gehören werden, werde ich Nahalin verlassen und nach Ramallah gehen“, sagt der Mitarbeiter im Rathaus, der seinen Namen nicht nennen möchte. Dann sei die Zukunft für ihn gelaufen.  Sein ganzes Leben habe er in Nahalin verbracht, erzählt er, sei dort als Kind in den Bergen durch die Wälder gelaufen, habe laut gesungen und Verstecken gespielt mit seinen Freunden. Das ist vorbei, meint er und seine Stimme klingt belegt.

Angriff bei der Mandelernte

Die ehemaligen 12.000 Dunum Land (rund 120 Millionen Quadratmeter) Nahalins, von denen nach Angaben des Applied Research Institutes Jerusalem (ARIJ) 60 Prozent von Israel seit 1967 eingenommen wurde, stellen die Grundlage für die meisten Dörfler dar.  Sie bewirtschaften das Land seit Jahrhunderten, es ist ihre Existenz. Und gleichzeitig auch ihr Problem. Denn die israelischen Siedler aus dem religiösen Betar Illit von gegenüber lassen ihr kontaminiertes Abwasser direkt ins Tal laufen und verunreinigen auf diese Weise die Felder von Nahalin. Zudem

In der illegalen israelischen Siedlung Betar Illit leben 39.000 orthodoxe Juden. Foto: privat

In der illegalen israelischen Siedlung Betar Illit leben 39.000 orthodoxe Juden.
Foto: privat

kommt es immer wieder zu Angriffen auf palästinensische Bauern, die mit ihren Familien im Herbst die Mandel- und Olivenernte vornehmen. Erst im vergangenen Oktober griff eine Gruppe 30 junger Siedler zehn Nahaliner an, die gerade ihre Oliven von den Zweigen striffen und in Decken einsammelten.  Dabei fielen Worte wie „Sharmuta“ (Hure) und „Kusemek“ (Arschloch), mit der die Siedler die palästinensischen Frauen und Männer beleidigten. Nachdem die Gruppe auch noch Bäume und ganze Felder in Brand gesetzt hatte, erschienen schließlich israelische Soldaten mit einem Jeep. Eine Entschuldigung oder Schutz vor Angriffen erhielten die Dorfbewohner von ihnen nicht – geschweige denn rückwirkend eine Entschädigung für das zerstörte Land. „Für uns ändert sich hier nichts, egal, welche Regierung gerade an der Macht ist“, sagt der junge Rathausmitarbeiter resigniert. Es kann sein, dass in drei Monaten etwas passiert, das 1948 sehr oft praktiziert wurde: Ein palästinensisches Dorf wird einfach ausgelöscht vom israelischen Staat.

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