Tag Archives: jüdische Siedler

Begleitung im Jordantal

7 Jan

 

Die Begleitpersonen im Jordantal tragen eine weithin sichtbare Weste mit der Friedenstaube.                                      Foto: Vanessa

Von Vanessa 

Obwohl ich erst seit knapp zwei Wochen in Jericho bin, kommt es mir schon viel länger vor. Ich habe das Gefühl, das Jordantal von Jericho im Süden bis Bardala im Norden mit seinen Menschen und deren Geschichten langsam zu kennen.  Besonders die Besuche bei Mahyoub sind inzwischen so, als würden wir zu einem alten Freund kommen.  Mahyoub ist ein Beduine aus Khirbet Samra, einer kleinen Gemeinde im Norden der Westbank.  Er besitzt ungefähr zweihundert Schafe und Ziegen und die Familie lebt vom Verkauf des Käses.  Wir von EAPPI kommen zweimal pro Woche, um ihn mit seinen Schafen in die Berge zu begleiten. Futter zu kaufen ist sehr teuer für Mahyoub, weshalb er lieber mit den Schafen tagsüber in umliegende Gebiete geht, wo es genug Pflanzen zum Fressen gibt. Die Ländereien sind im Besitz seiner Familie, die entsprechenden Papiere sind vorhanden. Sein Zelt und das seiner Cousins liegen in einem Tal zwischen den Bergen. Auf dem gegenüberliegenden Hügel befinden sich ein israelischer Militärstützpunkt und ein Siedlungsaußenposten[1], der im Dezember 2016 errichtet wurde. Davor war sein Leben als Schäfer im Jordantal zwar schwierig, seitdem der Außenposten errichtet wurde, wird das Leben in Khirbet Samra jedoch zunehmend unerträglich. Mahyoub traut sich alleine nur noch auf die eine Seite des Tals direkt hinter seinen Zelten, da er
Angst vor den Siedlern hat. Aber dort gibt es inzwischen nicht mehr genug Futter für die Tiere, weshalb EAPPI Mahyoub und seine zwei Cousins seit ein paar Monaten begleitet, wenn sie mit den Schafen auf die andere Seite des Tals gehen, in Richtung Außenposten.

Schutz durch Anwesenheit

Einmal haben wir einen Militärjeep gesehen, wie er zum Außenposten gefahren ist und die Soldaten dort offensichtlich mit Uri gesprochen haben, bevor sie uns langsam auf der Straße gefolgt sind und beobachtet haben. Einmal sind die Soldaten ausgestiegen und sind auf uns zugekommen, als wir gerade eine Pause gemacht und Tee getrunken haben.  An diesem Tag waren auch israelische Vertreter der Gruppe „Ta’ayush“ in Khirbet Samra anwesend.  Auch sie begleiten Menschen unter Besatzung in ihrem Alltag.  Wir tauschen uns gern mit ihnen aus und besprechen unsere möglichen Einsatzzeiten, um uns effektiv aufzuteilen. Von den Soldaten wurde uns an diesem Tag gesagt, dass das hier Uris Land sei.  Teile des Gebiets sind offiziell als Naturreservat markiert, Teile gehören zu einem militärischen Übungsgelände, aber laut Mahyoubs Dokumenten gehört das Land seiner Familie.  Wir werden aufgefordert, „Uris Land“ zu verlassen und auf die andere Straßenseite zu gehen, in den Bereich, der als militärische Sperrzone gilt. Dort ist es angeblich in Ordnung, Schafe zu hüten.  Jedes Mal wird Mahyoub etwas anderes gesagt.

Die Siedler des Außenpostens kommen auch ab und zu nachts zur Familie und fahren mit dem Jeep um die Zelte und die Schafe herum, um der Familie Angst zu machen und sie einzuschüchtern. Mahyoubs Mutter berichtet uns davon, wie sie sich gefühlt hat, als sie einmal nachts alleine im Zelt lag und den Jeep gehört hat: „Es war schrecklich, ich konnte mich vor Angst kaum bewegen und wusste nicht, was ich machen soll“.

Die Hoffnung liegt auf den Kindern

Bei diesen Lebensgeschichten ist es manchmal schwer, noch Hoffnung auf ein Ende der Besatzung und die Versöhnung zwischen Palästinensern und Israeli und den gerechten Frieden zu sehen. Aber unsere Hoffnung liegt auf der neuen Generation, den Kindern. Wenn wir bei Mahyoub sind nehme ich mir immer die Zeit, zu den Frauen zu gehen und versuche, mit meinem gebrochenen Arabisch mit ihnen zu reden. Vor allem die Mädchen freuen sich unglaublich, wenn ich ihnen Luftballons aufpuste und wir damit spielen. Letzte Woche kamen sie auf die Idee, die Ballons mit Wasser und Spülmittel zu befüllen, was zu einem gegenseitigen Bewerfen mit Wasserbomben geführt hat. Als ein Ballon dann auf mir zerplatzt ist und ich voller Wasser und Spülmittel war, konnten wir nicht mehr aufhören zu lachen.  Durch unsere Anwesenheit konnten die Mädchen einfach Kinder sein und sich für eine halbe Stunde von ihrem schweren Leben unter Besatzung ablenken. Das Lachen der Kinder ist meine Bestätigung dafür, dass wir weitermachen müssen und wir die Hoffnung nicht aus den Augen verlieren dürfen.

Info: Vanessa ist Menschenrechtsbeobachterin des Ecumenical Accompaniement Programme in Palestine and Israel (EAPPI): „Ich nehme für die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) am Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) des Ökumenischen Rates der Kirchen teil. Dieser Bericht gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die der EMS oder des Ökumenischen Rates der Kirchen sind. Berichte aller deutschen Ökumenischen Begleiter*innen finden Sie auf der Webseite des EAPPI‐Netzwerk Deutschland und auf Facebook

 

Screenshot mit Jericho der Karte „West Bank Access Restrictions“ von Ocha (United Nations Office for the coordination of humanitarian affairs Occupied Palestinian Territories), Januar 2017

[1]Israelische Siedlungen und Außenposten in den besetzten palästinensischen Gebieten sind nach internationalem Recht illegal und werden oft als eine der zentralen Behinderungen des Friedensprozesses zwischen Palästinensern und Israelis gesehen.  Das israelische Recht unterschied bis Anfang 2017 zwischen einer legalen Siedlung und einem illegalen Außenposten. Außenposten werden häufig auf privatem palästinensischem Land errichtet und sind im Vergleich zu den Siedlungen eher kleine Ansammlungen von Containern und Wohnwagen. Durch die Verabschiedung eines neuen Gesetzes ist es den israelischen Behörden seit Februar 2017 möglich, illegal errichtete Außenposten rückwirkend zu legalisieren, auch wenn diese auf privatem palästinensischem Land gebaut sind.

Aktuelle Informationen und Kartenmaterial zu der Situation in Ost Jerusalem, der West Bank und Gaza in den Bereichen Land, Mobilität(-seinschränkungen), Siedlergewalt, Sperrzonen, Mauer und weiteren findet man auf der Homepage von Ocha

Glaube, Liebe – Hoffnung

1 Jun

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Vor zwei Wochen zerstörten israelische Bulldozer 1500 Obstbäume der Familie Nasser im Friedensprojekt „Tent of Nations“ bei Bethlehem. Die Familie kämpft seit über 23 Jahren vor Gericht um ihr Land. Ein Besuch.

Von Liva Haensel

„Eines Tages wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen“, sagt Daoud Nasser. 25 Menschen aus der lutherischen Erlösergemeinde in Jerusalem sitzen in einer Kapelle aus Stein und hören dem Mann in dem blauen Polohemd zu. Die blonde Frau neben ihm, eine Musiklehrerin, guckt stumpf auf den Boden. Der Satz von Daoud Nasser bleibt kurz in der Luft hängen. Man versucht krampfhaft, sich jetzt einen strahlenden goldgelben Sonnenball vorzustellen, der ein warmes Licht verbreitet. Der so aussieht, wie man sich Güte und so etwas wie Gerechtigkeit als Form und Farbe vorstellen könnte. Aber da kommt nichts. Das Kopfkino funktioniert  irgendwie nicht im „Tent of Nations“ bei Bethlehem. Nicht jetzt, nachdem die Bulldozer da waren. Nicht, wenn man die ganze Geschichte der Familie Nasser hört, sich ein Bild vor Ort macht.

Es ist die Geschichte eines dramatischen Kampfes, aber auch eine ohne Happy End. Vorläufig. Die Sonne ist hier gerade hinter den Wolken verschwunden. „Tent of Nations“, das Zelt der Völker, wie es auf Deutsch heißt, ist nicht Hollywood. Es ist palästinensisches Land unter israelischer Besatzung. Hier gibt es kein Stromnetz und kein Wasser aus Hähnen, weil die Nassers keine Baugenehmigungen dafür vom Staat Israel bekommen.

Symbol für gewaltfreien Widerstand

Am 19. Mai fuhren drei israelische Bulldozer der israelischen Armee den Berg bei der jüdischen Siedlung Neve Daniel herunter und auf das Land der Familie Nasser zu. Dort zerstörten sie 1500 Obstbäume, darunter 700 Weinstöcke. Die Reste der Bäume – Zweige und Stämme – versteckten die Soldaten in großen Erdlöchern. Dieser Akt ist illegal, denn die Nassers befinden sich seit 1991 in einem schwebendem Gerichtsverfahren mit dem Staat Israel. Damals erfuhren sie nur durch einen Zufall, dass ihre 400 Dunum Land (1 Dunum=1000 m²) für Israel zu „Staatsland“ erklärt worden waren. „Wir zeigten vor Gericht alle unsere Besitzurkunden, die mein Großvater seit dem Landerwerb 1916 lückenlos aufbewahrt hatte“, erzählt Daoud Nasser, der Leiter des Projektes „Tent of Nations“. Die israelische Seite reagierte schockiert, damit hatte sie nicht gerechnet. Doch noch schockierender muss es für sie gewesen sein, dass die christlich-palästinensische Familie ab 2000 systematisch damit begann, ein Friedensprojekt für Menschen auf ihrem Land aufzubauen, das so gar nicht in das gängige Klischee des Steine werfenden Palästinensers passte. Seitdem pflanzen dort auf dem Hügel bei Bethlehem jüdische Friedensaktivisten Bäume, arabische Kinder aus den Flüchtlingslagern malen Herzen und deutsche Volontäre basteln an Zisternen und Solaranlagen. Rupert Neudeck von der Organisation „Kap Anamur“ berät zu Alternativen Energien. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hält gerne ihre schützende Hand über das Stück Land.

Günstiges Leben in Gush Etzion

„Tent of Nations“ ist ein interreligiöses Begegnungsprojekt von Lutheranern. Und mittlerweile zu einem Symbol für gewaltfreien palästinensischen Widerstand geworden, das weltweit hohes Ansehen genießt. Die Familie Nasser will keinen Streit mit den benachbarten Siedlungen, sondern in Frieden mit ihnen leben. Sie ist mittlerweile umringt von 5 Siedlungen mit 90.000 Einwohnern, alle Israelis, die nach Internationalem Recht illegal dort auf palästinensischem Land leben und von ihrem jüdischen Staat dafür subventioniert werden. Das Leben in Gush Etzion ist günstiger als in Jerusalem oder Tel Aviv. Außerdem bekommen die neuen Bewohner Zulagen und bei Gründung eines Unternehmens eine Anschubfinanzierung, die in den Siedlungen fünfmal höher liegt als im Kerngebiet Israel.

Alles, was Recht ist?

Die Nassers bekommen kein Staatsgeld von Israel, sondern entweder nächtliche Blitz-Besuche von Siedlern oder Landkonfiszierungsbefehle der israelischen Armee. Letztere übergibt diese nie persönlich. Die Zettel werden, immer auf Hebräisch verfasst, irgendwo auf dem Grundstück abgelegt. Eine Praktik, die oft zur Folge hat, dass palästinensische Bewohner die Zettel gar nicht erst finden, weil sie vom Regen durchnässt sind oder vom Wind weggefegt wurden. Ungünstig, wenn es um gerichtliche Einsprüche und Deadlines geht, um schnelles überlegtes Handeln, um Land und die eigene Existenz. Günstig, wenn man Land haben will und kein Interesse daran hat, den Landbesitzer rechtzeitig zu informieren. Aber sich auch nicht vorwerfen lassen möchte, man hätte die andere Seite nicht informiert. Das funktioniert in Israel, denn Gesetze sind dehnbar wie Kaugummi und lassen sich zudem aus den unterschiedlichsten Besatzungszeiten anwenden: jordanisches, britisches, israelisches Militärrecht oder das aus dem Osmanischen Reich – alle sind anwendbar, weil Israel Notstandsgesetzte nutzt und immer noch nicht über ein Grundgesetz verfügt, obwohl der Staat 2008 bereits sein 60-jähriges Bestehen feierte.

Bauern können ihr Land nicht erreichen

„Hier gilt: Alles, was Recht ist“, sagt ein palästinensischer Anwalt aus Jetusalem, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen möchte. Nur rund 20 % seiner Mandanten bekommen am Ende ihr Land zurück, dass der Staat Israel zumeist nach einigen Jahren als Staatsland deklariert, weil es nicht kultiviert wurde, berichtet der Jurist. Was der Staat nicht sagt ist, dass die israelische Mauer nicht auf der Grünen Linie verläuft, sondern sich laut dem Büro von UN Ocha (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs Occuied Palestinian Territories) zu 85 % auf palästinensischem Land befindet – und damit für viele Bauern das Bewirtschaften ihres Land verhindert, weil sie es nicht mehr erreichen können.

Siedlerkolonialismus stoppen

„Der Siedlerkolonialismus ist das gefährlichste Projekt des Staates Israel, das auf dem Rücken der Ureinwohner Palästinas – der Palästinenser – ausgetragen wird“, kritisierte der israelische Historiker Gadi Algazi von der Universität Tel Aviv kürzlich auf einem Politikkongress in Hebron. Dort trafen sich antizionistische Israelis und Palästinenser. Der Friedensaktivist ist für eine Neuordnung in der Region mit einem Staat, der gleiches Recht für alle auf Land und Wasser bedeutet, ein Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge miteinbezieht und die Zerstörungen palästinensischer Existenzen ausschließt. „Das muss sofort gestoppt werden“, sagte Algazi auf der Bühne in Hebron. Aber er sah müde aus bei diesen Worten.

Die Nassers sind nicht naiv

Daoud Nasser hingegen scheint seine Kraft auf wundersame Weise immer wieder neu zu nähren. „Tent of Nations“ ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. Er reist mindestens zweimal im Jahr nach Deutschland und in die USA, um über seine Arbeit zu berichten. Er hat viele Pläne. Eine Berufsschule, mehr Jugendarbeit und Umweltbildung soll es hier bald geben. Aber die zerstörten Bäume wird das nicht zurückbringen. „Wir wollten dieses Jahr Weinreben ernten und das erste Mal Wein abfüllen“, sagt er. Daraus werde nun nichts. Es wird vier Jahre dauern, bis die Weinstöcke wieder Ernte reife Trauben tragen werden. Und auch die Olivenbäume müssen neu gepflanzt werden. Die von der Armee illegal abgeholzten Bäume hatten ein Alter von zwölf Jahren. Ein Olivenbaum ist empfindlich und benötigt viel Pflege und Fachkenntnis. Erst nach sieben Jahren trägt er die ersten Früchte. Der Gewaltakt der israelischen Armee war vorsätzlich. Die Nassers sind jetzt erst einmal geschwächt, aber sie sind nicht am Ende. Sie sind nicht naiv. Sie wissen, dass sie mit ihrer Klage am israelischen Gerichtshof – sie wollen eine Entschädigungssumme für die Bäume – niemals durchkommen werden.

Unberechtigte Kritik an Kirchen

Die Zerstörung des Landstückes schlug hohe Wellen und verbreitete sich vor allem Stunden später als erstes in den sozialen Netzwerken. In Deutschland schrieb einzig die Südwestpresse aus Ulm über den Vorfall, während palästinensische und israelische Nichtregierungsorganisationen und Blogger längst schon Berichte auf twitter und facebook veröffentlicht hatten. Johannes Gerloff, ein Theologe, der sich selbst als „Journalist“ und „Korrespondent“ der fundamentalistischen Israel-Nachrichten bezeichnet, kritisierte in seinem öffentlichen Facebook-Profil die Solidarität der Kirchen mit der Familie Nasser nach dem Gewaltakt: „Wer die Augen verschließt, ist mit verantwortlich, wenn mit „Dahers Weinberg“ unter dem Motto „Wir weigern uns, Feinde zu sein“, Zwietracht gesät, antiisraelisch gehetzt und persönliche Bereicherung vorangetrieben wird“, heißt es dort. Gerloff, ein christlicher Zionist, hatte vor kurzem erst in einem Artikel auf Israelnetz.com die illegale Enteignung des palästinensischen Rajabi-Hauses in Hebron verteidigt, das sich nun vollständig in Siedlerhänden befindet. Er ist mit Ulrich Sahm befreundet, einem ehemaligen Israelkorrespondenten des Nachrichtensenders n-tv, der sich zum Ende seiner journalistischen Karriere hin verstärkt mit der Herstellung von Kerzen und der Veröffentlichung von Kochbüchern befasst.

Roadblocks aus Sicherheitsgründen

All das macht Daoud Nasser nicht wütend. Er ist die Ruhe selbst. „Gewalt ist keine Option für uns. Es ist leicht zu hassen und schwer, negative Gefühle konstruktiv in positive umzuwandeln. Aber wir gehen diesen Weg weiter“, sagt er überzeugt. Die Sonne steht jetzt hoch oben am Himmel und scheint ihre ganze Strahlkraft auf die 25 Besucher dort unten abzugeben, die sich auf den Rückweg nach Jerusalem machen. Mühsam klettern die Menschen aus der Erlöserkirche über die beiden Roadblocks, mit denen der israelische Staat 2001 die Zufahrtstraße zum „Tent of Nations“ dichtmachte. Aus Sicherheitsgründen, wie es damals hieß. Da hilft nur noch eins: Glaube, Liebe – Hoffnung. Sagt Daoud Nasser jedenfalls.

No sunshine in E1

13 Jan
Ruhe vor dem Sturm: Bab als Shams vor der Räumung.

Ruhe vor dem Sturm: Bab als Shams vor der Räumung.

Ost-Jerusalem. Nur 48 Stunden nach der Gründung eines palästinensischen Zeltlagers mit den Namen Bab al Shams (hier auf facebook) haben 500 israelische Polizisten und Soldaten das E1-Gebiet heute in den frühen Morgenstunden  gewaltsam geräumt. Dabei kam es zu zahlreichen Verhaftungen, Verletzungen und Abtransporten der 200 Demonstranten auf dem sogenannten E1 („East 1“)-Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der illegalen jüdischen Siedlung Maale Adumim in der Westbank. Die Demonstranten, darunter palästinensische

Verletzte Demonstranten heute Morgen, Bab Al Shams. Fotos: Babalshams

Verletzte Demonstranten heute Morgen, Bab Al Shams.

Landbesitzer und israelische sowie internationale Friedensaktivisten, hatten mit ihrer neuen Siedlung gewaltfrei gegen die völkerrechtswidrige Ausweitung von Maale Adumim protestiert und dafür eine Taktik angewandt, die sonst jüdische Siedler benutzen. Am Freitag versammelten sie sich auf dem E1-Gebiet, das zwischen Ost-Jerusalem und der jüdischen Siedlung liegt und errichten Zelte. Man wolle damit auf die illegale Landnahme Israels aufmerksam machen, bei der Siedler palästinensisches Land Stück für Stück besiedelten, es später als Staatsland deklarierten und sich dort für immer niederließen, so die Veranstalter. Das neue Dorf Bab al Shams („Tor zur Sonne“) wurde auf dem palästinensischen Teilstück errichtet, das für Palästinenser eine wichtige Verbindung zwischen Ost-Jerusalem und Westbank darstellt. Nachdem die Vereinten Nationen Ende November 2012 grünes Licht für den Beobachterstatus Palästinas gaben, reagierte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu daraufhin mit einer Trotzreaktion, indem er den weiteren Bau von 3000 neuen Wohneinheiten in jüdischen Siedlungen, darunter auch für Maale Adumin, genehmigte. Die Internationale Gemeinschaft hatte Israel daraufhin mehrmals kritisiert, darunter auch Deutschland.

 Entstanden unter Rabin

Umstritten: E1 liegt zwischen Jerusalem und der Westbank. Grafik: peacenow.org

Umstritten: E1 liegt zwischen Jerusalem und der Westbank. Grafik: peacenow.org

Der Bebauungsplan E1 entstand unter dem Friedensnobelpreisträger und früheren Ministerpräsidenten Israels, Jitzak Rabin. In der Amtsperiode von Ariel Sharon (2001-2006) gewann der Plan stetig an Fahrt. Ziel von E1 ist es, für jüdische Israelis Jerusalem mit der Siedlung Maale Adumim zu verbinden und damit den Erweiterungsplan von Groß-Jerusalem, der schon in den 1970er Jahren entstand, umzusetzen. „Damit wird ein eigenständiger Staat Palästina unmöglich gemacht“, sagt Angela Godfrey-Goldstein, israelische Friedensaktivistin aus Jerusalem. Für Palästinenser bedeute der E1-Plan eine de-facto-Trennung zwischen Nord- und Süd-Westbank. Damit sei die Region um Hebron gänzlich abgeschnitten von nördlicher gelegenen Städten und Dörfern, darunter vor allem Jerusalem als künftige Hauptstadt und kulturell-politisches Zentrum des palästinensischen Staates, kritisiert sie. Bei dem E1-Gebiet handelt es sich um palästinensisches Privatland. Der Oberste Gerichtshof erkannte dies an und entschied vergangenen Freitag, dass das Zeltlager Bab al Shams sechs Tage bleiben dürfe. Die israelische Armee ignorierte diese Entscheidung und erklärte das Gebiet am Samstag zu einer „militärischen Sicherheitszone“,  kurze Zeit später dann zu einem „höchsten Sicherheitsrisiko“. Bei facebook und dem Kurznachrichtendienst  twitter posteten zahlreiche Aktivisten direkt zu der Räumung. Journalisten berichteten auf den Kanälen unter anderem, dass sie von israelischen Soldaten mit Blendlicht von ihrer Arbeit abgehalten und Menschen ohne Angabe von Gründen und Zielen verhaftet worden seien.

Auch Beduinen sind betroffen

In der nach internationalem Recht illegalen jüdischen Siedlung Maale Adumim wohnen derzeit rund 43.000 Menschen. Im E1-Gebiet wohnen 3000 Beduinen vom Stamm der Jahalin unter der Armutsgrenze, die nach 1948 von der israelischen Regierung aus ihrer Heimat, der Negevwüste, vertrieben wurden. Die Jahalin-Beduinen (hier Dokumentation auf youtube) sind jetzt akut von einer weiteren Zwangsevakuierung bedroht, sollte Israel seinen Bebauungsplan umsetzen. Ihnen wurde eine Alternativfläche weiter südlich neben einer Müllhalde angeboten, die sie ablehnen. Die Aktivisten von Bab al Shams ließen derweil verlauten, dass sie weitermachen werden: „Wir werden wiederkommen. Israel hat gezeigt, dass es ethnische Säuberungen betreibt, wenn es uns abtransportiert. Das machen sie mit ihren eigenen Siedlern nicht“, schrieb ein Mann auf facebook.

Hebrons Superwoman

27 Sep
Nawal Slemiah vor einer ihrer Stickereien im Ladengeschäft in Idna.     Fotos: lha

Nawal Slemiah vor einer ihrer Stickereien im Ladengeschäft in Idna.           Fotos: lha

„Men can do something – women can do anything“. Der Schriftzug auf der kleinen Geldbörse ist echte Handarbeit, und er ist von Frauenhand gestickt. Naval Hassan Mahmood Slemiah (46) dreht das Täschchen in ihrer Hand und grinst. Der Spruch – Frauen können alles schaffen – ist ihr Lebensmotto.  Was auch sonst?

Nichts ist hier normal

Heute ist es relativ ruhig in Hebron. Die jüdischen Siedler, rund 800 an der Zahl, die in den vier illegalen Siedlungen in der arabischen Altstadt Hebrons leben, haben sich zurückgezogen in ihre Häuser. Gerade war Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag, und bald wird Rosh Hashana gefeiert, das Versöhnungsfest mit Gott. Noch ist die Ibrahimi-Moschee unweit von Nawal Ladengeschäft im Sukh für Muslime geöffnet. Doch in ein paar Tagen dürfen die

In der Moschee: Nach muslimischer, jüdischer und christlicher Überlieferung befinden sich hier die Gräber von Abraham und Sara.

In der Moschee: Nach muslimischer, jüdischer und christlicher Überlieferung befinden sich hier die Gräber von Abraham und Sara.

Gläubigen nicht mehr am Grab der Propheten in ihrem Gotteshaus beten. Sie müssen das Feld dann für die jüdischen Siedler räumen, die die Moschee für zehn Tage als Synagoge nutzen werden. „Hier ist nichts normal“, sagt eine Soldatin. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und zum Wehrdienst nach Israel gekommen, wie viele Juden außerhalb des Landes. Maryam ist seit einem Jahr in Hebron stationiert und leistet ihren Armeedienst direkt vor der Ibrahimi-Moschee. Sie weiß, dass Hebron auch als „Ghost City“ bezeichnet wird, als verlassene Geister-Stadt. Auf die Frage, warum sie ihren Armeedienst hier

Streng bewacht: Der Eingang der Ibrahimi-Moschee wird Tag und Nacht von israelischen Soldaten kontrolliert.

Streng bewacht: Der Eingang der Ibrahimi-Moschee wird Tag und Nacht von israelischen Soldaten kontrolliert.

leistet, zuckt sie nur mit den Schultern. „Sie ist meine Freundin, sie ist eine gute Soldatin. Ja, sie ist auch meine Besatzerin, aber sie ist eine nette Frau“, sagt ein junger Palästinenser und lacht zynisch. Maryam guckt verlegen, dann versucht sie ein Lächeln.

Niemand öffnet die Straße wieder

Als die israelische Armee 2000 im Zuge der Zweiten Intifada die Stadt wiederbesetzte und die gesamte Altstadt für Palästinenser sperrte, mussten viele ihre Häuser und Geschäfte verlassen. Es gab hunderte Tote und Verletzte. Die Shuhada Straße, die „Straße der Märtyrer“, war einst die pulsierende Einkaufstraße und Achse Hebrons. Nach Israels Invasion stehen jetzt seit Jahren 1000 Läden leer,  die meisten wurden von der Armee verschlossen, Zugänge und Fenster wurden versperrt oder zugemauert. Gegenüber von Navals Shop hat jemand ein Graffitti an die Wand gesprüht. „Open Shuhada

Am Eingang zum Hauptsukh der Altstadt.

Am Eingang zum Hauptsouk der Altstadt.

Street“. Aber hier öffnet niemand mehr die Straße. In der Shuhada joggen Siedler mit Kippa, Davidstern und amerikanischem Akzent. Und Menschen aus anderen Ländern schlendern etwas unsicher durch die Shuhada, die sich dabei neugierig umsehen und ein bisschen was von der gewalttätigen Atmosphäre dieser Situation mitbekommen, vielleicht begreifen wollen. Hebron, das ist Trennung von Palästinensern und jüdischen Radikalen, dreizehn Checkpoints in der Altstadt und israelischen Soldaten, die ihren Job sehr ernst nehmen.

Einen Kompromiss gibt es nicht

Palästinensern ist es lediglich erlaubt, nur eine Straßenseite zu benutzen, ein Teil ist für sie sogar ganz gesperrt. Palästinensische Fahrzeuge haben keinen Zugang. „Das ist nicht normal, das ist Apartheid“, hatte der SPD-Politiker Sigmar Gabriel im Frühjahr dazu auf facebook gepostet, nachdem er Hebrons Altstadt besucht hatte. Zu Hebron gibt es viele Meinungen. Die einen sagen, die Stadt sei ein konzentrierter Mikrokosmos der Gesamtsituation der Palästinenser unter israelischer Besatzung. Left-wing Israelis finden es gruselig dort, weil sie die Siedler hassen und dennoch vergessen, dass ihre Armee diese gleichzeitig bei jedem Zwischenfall sofort unterstützt. Siedler finden die eigene Anwesenheit berechtigt – schließlich sind Abraham und Sara ihre Stammesväter und in Hebron begraben. Das Land ist Eretz Israel, einen Kompromiss gibt es nicht. Jüdisches Leben in der arabischen Altstadt? Für sie ganz normal.

Er spuckte ihr ins Gesicht

Als Nawal Slemiah 2005 ihren Tisch mit Handstickereien im Sukh unweit der

Trendy: Die handbestickte Tasche kommt bei europäischen Kunden gut an.

Trendy: Die handbestickte Tasche kommt bei europäischen Kunden gut an.

Ibrahimi-Moschee das erste Mal aufbaute, stießen ihn Siedler jede Woche um – die israelischen Soldaten eilten herbei und beschützen die jüdischen Bewohner, nicht aber die einheimische Händlerin. „Einmal spuckte mir ein Siedler direkt ins Gesicht“, erinnert sie sich. Doch die Grundschullehrein, die in Amman studiert hat und drei Kinder aufzieht, ließ sich nie entmutigen. Auch nachdem der radikale Siedler wiederkam und ihr ein Foto des jüdischen Terroristen Baruch Goldstein (der amerikanische Arzt und Siedler Baruch Goldstein erschoß 1994 30 betende Muslime in der Ibrahimi-Moschee und verletzte rund 25 schwer) ins Gesicht klatschte, gab sie nicht auf, sondern machte weiter.

Mit einem Tisch vor der Moschee

Nawal ist eine Businessfrau. In Hebrons Altstadt hat sie es mittlerweile zu einer bescheidenen Berühmtheit gebracht. Ihre „Idna Cooperation – women in Hebron“ beschäftigt mittlerweile 150 Frauen. Die Frauen, meist ohne Studienabschluss oder Berufsbildung, sticken und nähen in Heimarbeit Shoppingtaschen, Laptop-Etuis und Portemonaies. Sie fertigen nach Wunsch Designs an, schneidern Hochzeitskleider oder verzieren Blusen mit

Kette mit Münze aus der Zeit des Ottomanischen Reiches.

Kette mit Münze aus der Zeit des Ottomanischen Reiches.

palästinenscher Stickerei. Laila, Navals Schwester, zwirbelt Fäden zwischen ihren Fingern und reiht Perlen auf für Ketten und Ohrringe mit palästinensischen Münzen, die die Frauen anschließend im Laden verkaufen. „Ich hatte kein Geld und war krank durch die politische Situation“, berichtet Nawal über ihre Anfänge. Weil sich aufgrund der Zusammenstöße mit der israelischen Armee 2005 niemand während der Zweiten Intifada in die Altstadt traute, gab es dort kein Geschäftsleben mehr. Nawal nutzte das und verkaufte anfangs mit einem kleinen Tisch vor der Moschee. Später konnte sie einen leerstehenden Laden im Souk beziehen, über dem im 1. Stock jüdische Siedler eingezogen waren.

Deutsche kaufen nichts

Heute leitet sie als Managerin die Idna Kooperation, benannt nach dem Dorf, in dem sie selbst lebt. „Wir machen noch nicht genug Umsatz, weil in Hebron kaum Touristen sind“, sagt sie. Das sei ein Problem, auch, weil das Material für die Taschen und Stickereien teuer sei. Heute aber ist ein guter Tag, die Frauen haben rund 600 Schekel eingenommen, 120 Euro. Deutsche kaufen nie etwas, hat Nawal beobachtet und es ärgert sie. „Die kommen und gucken. Aber kaufen tun sie nichts“.

Die Besatzung wird niemals Normalität

Women can do anything  - Naval mit Tochter Yaffa.

Women can do anything – Nawal mit Tochter Yaffa.

Im April ist Nawal in die Türkei gereist, als Gast einer internationalen Frauenkonferenz. Sie hat dort vor 2000 Frauen gesprochen. Am Ende weinten alle. Und lachten dann gemeinsam. Sie sagt, das vergisst man nicht so schnell. Die Frau, die zwölf Jahre lang auf ihren Verlobten warten musste, weil der in einem israelischen Gefängnis saß, sprach dort nicht über Frauenrechte. „Die sind ganz klar wichtig“, sagt sie. Aber eins sei das Wichtigste überhaupt: Dass die Palästinenser eines Tages frei sein werden. „Darum geht es, darüber habe ich erzählt. Ich möchte, dass die israelische Besatzung aufhört. Sie ist nicht normal und ich werde sie auch niemals als Normalität akzeptieren.“ Nawal fährt morgen wieder von ihrem Dorf Idna nach Hebron. Sie wird wieder mit den wenigen Touristen sprechen, die vorbeikommen, vielleicht wird sie eine Tasche verkaufen oder zwei. Auf dem Weg zur Arbeit wird sie am Checkpoint gestoppt, wie jeden Tag, ganz normal, vielleicht muss sie ihre grüne Westbank-ID-Karte herausholen und sie dem 19-jährigen israelischen Soldaten zeigen. Was bedeutet Normalität schon in einer Stadt wie Hebron?

Die „Women in Hebron“ sind auf facebook.

Der Deutsche Sam Lee ist derzeit als ökumenischer Begleiter für das Programm EAPPI in Hebron im Einsatz. in seinem Blog „Witness Hebron“ kann man aktuelle Berichte aus der größten Stadt der Westbank lesen.

Der Himmel über Yanoun

10 Jul
There is no occupation...Photo: John Brown, mehr unter mehr unter: http://972mag.com/nonexistent-occupation-memes-go-viral-in-israeli-social-media/50531/

Levy: „If it beats like an occupation, if it oppresses like an occupation, if it kills like an occupation, it’s a…“ Bibi: „A duck!“   Photo: John Brown

Es hätte ein friedlicher  Samstag in Yanoun, dem kleinen Dorf im Norden der Westbank nahe der Stadt Nablus sein können. Schäfer ließen ihre Tiere auf den Feldern weiden und beackerten ihr Land. Der Ramadan, der Fastenmonat der Muslime, steht vor der Tür, es ist heiß derzeit in Palästina, die Menschen schrauben das Tempo herunter. Doch der vergangene Samstag endete in einem Desaster für Israel. Am Abend flimmerten die ersten Nachrichten aus Yanoun weltweit durch die Kanäle des Internets und beschäftigten hunderttausende User. Bilanz eines Samstags in Yanoun: sechs verletzte palästinensische Männer, davon zwei schwer verwundet durch Schüsse von israelischen Soldaten, und drei tote Schafe, erstochen von jüdischen Siedlern der benachbarten Siedlung Itamar.

Fesseln und dann liegenlassen

Kein Schutz, nirgends: Israelische Soldaten und Palästinenser aus Yanoun am vergange

Kein Schutz, nirgends: Israelische Soldaten und Palästinenser aus Yanoun am vergangenen Samstag. Photo: Katherine Roldan

Was war passiert? Laut Augenzeugenberichten und Videos internationaler Menschenrechtsbeobachter von EAPPI (Ecumenical Accompaniment Programm for Palestine and Israel) kamen drei bewaffnete Siedler aus Itamar auf die Felder der Dorfbewohner, töteten die Schafe und wurden handgreiflich als die Palästinenser sie davon abhalten wollten. Außerdem wurden Felder und Olivenbäume in Brand gesetzt. In der Folge kam es zu einem Steinewerfen von beiden Seiten. Die israelische Armee, die in solchen Situationen gerufen wird, fesselte die Palästinenser trotz weiterer Schläge der Siedler mit Handschellen und ließ diese weiter gewähren. In dem englischen Bericht des EAPPI- Büros heißt es unter anderem: „Jawdat Ibrahim was handcuffed, beaten by Israeli soldiers and then released for the settlers to attack as they watched. He was then tied up by the settlers and left on his land; he was found the next morning. Konkret übersetzt: „Jawdat Ibrahim wurde an den Händen gefesselt, von den israelischen Soldaten geschlagen und dann für die Siedler freigegeben, die ihn attackierten während die Soldaten zuschauten. Er wurde dann von den Siedlern gefesselt und auf seinem Feld zurückgelassen; man fand ihn am nächsten Morgen.“ Ein Soldat schoss Jawdat Bani Jaber in das Gesicht und seinen Fuß. Er konnte erst nach drei Stunden ins Krankenhaus gebracht werden, die israelische Armee versagte ihm eine sofortige ärztliche Versorgung.  Einem weiteren Bewohner Yanouns, Hakimun Bani Jaber, wurde in den Arm geschossen.

Soldaten schauen zu

Soldaten und ein bewaffneter jüdischer Siedler.   Photo: Katherine Roldan

Soldaten und ein bewaffneter jüdischer Siedler. Photo: Katherine Roldan

Die Brutalität von jüdischen Siedlern, die häufig bewaffnet sind mit dem amerikanischen Gewehrtyp MP16, ist nichts Ungewöhnliches in der Westbank. Palästinenser wissen, dass sie schlechte Karten haben, wenn sie auf solche Leute treffen. Keinem von ihnen ist es gestattet, Waffen zu tragen. In der Stadt Hebron, in der 800 radikale Siedler das ihnen versprochene Land preisen, dürfen die palästinensischen Bewohner noch nicht einmal einfache Küchenmesser besitzen. Wer entlang der Siedlerstraßen, eine eigens für die jüdischen Kolonialisten gebaute Infrastruktur in der besetzten Westbank, entlang geht, muss damit rechnen, überfahren zu werden. Anzeigen bei der Polizei führen ins Nichts, die Akten zur Beweislage werden nach einigen Wochen ohne Ergebnis eingestellt. Eigenschutz ist nicht gestattet. Aber was dann?  Nach den Genfer Konventionen ist es Israel nicht erlaubt, seine Bevölkerung in besetzte Gebiete zu transferieren und dort anzusiedeln. Aber es ist dem jüdischen Staat, dessen Bevölkerung zu einem Fünftel aus arabischen Ureinwohnern besteht, mit den bindenden Konventionen geboten, die Menschen in den besetzten Gebieten verantwortlich zu schützen. Stattdessen werden internationale Menschenrechtsbeobachter, palästinensische und israelische NGOs und Mitarbeiter der Vereinten Nationen immer wieder Zeugen vom Gegenteil. Soldaten schauen nicht nur zu und weg, sie schlagen selbst noch drauf.

Israel hat eine Antwort gegeben

Niemand der Armeeangehörigen hat sich bisher zu dem Fall in Yanoun geäußert. Wie geht es Jawdat Bani Jaberm, was machen seine Verletzungen? Wie wird Jawdat Ibrahim psychisch und physisch überstehen, dass er misshandelt, gefesselt und über Nacht einfach auf dem Acker liegengelassen wurde? Der Staat Israel hat vor zwei Tagen darauf seine Antwort gegeben. Laut der Zeitung Haaretz und anderer israelischer Medien hat eine von der Regierung unter Benjamin Netanjahu eingesetzte Richterinstanz nun verkündet, dass es „in Israel keine Besatzung gibt“. Die jüdischen Siedlungen seien daher gesondert zu betrachten und legal. In dem Papier des Obersten Gerichtshofs in Jerusalem empfiehlt das religiöse Likudmitglied Edmond Levy, ein pensionierter Richter, Judea and Samaria (Westbank) einzugemeinden. „Der größte Verlierer im Angesicht des Levy-Kommittees sind die liberalen Zionisten, die sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aussprechen“, schreibt Joseph Dana, amerikanisch-jüdischer Journalist aus Ramallah und Zionismus-Gegner, in seinem facebook-Profil. Und weiter: „Für die israelische Regierung seid ihr nichts weiter als ein paar Trottel.“ Der Satz zielt darauf ab, dass Israel schon lange keinen Palästinenserstaat mehr vorsieht. Gerade plant Netanjahu eine neue Siedlung, die Har Homa und Gilo – beide Siedlungen bei Bethlehem  –  verbinden soll.  Doch diese Gewalt, mit der rund 4,5 Millionen Palästinenser ihrer Freiheit seit 45 Jahren beraubt werden, wird keine Wunden heilen. Sie schafft nur neue. Ein Knesset-Gesetz steht kurz vor dem Beschluss, dass künftig Palästinenser in Israel dazu verpflichten könnte, für den israelischen Staat, der sich ausschließlich als jüdisch definiert, Armee- und Zivildienst leisten zu müssen. Ein Staat, der nicht für ihre Sicherheit sorgt, sie nicht gleichstellt, ihre Geschichte totschweigt und an zionistischen Grundprinzipien festhält, die mit Landkonfiszierung, Kollektivstrafen und Vertreibung für sie einhergehen.

Die Antwort ist eindeutig. Am Samstag, am Sabbath, dem heiligen Tag der Juden, verfärbte sich der Himmel grau über Yanoun. Aber in Israel selbst ist er jetzt schwarz.

– Der Schweizer Christian Schelbert  ist zur Zeit in Yanoun als ökumenische Begleitperson von EAPPI tätig. In dem Blog „barierrer ahead“ schreibt er über den Alltag in der Westbank.

Hintergrundinfo Yanun (English)

Yanoun is a small village in Area C of the West Bank, just southeast of Nablus. It has about 65 inhabitants who are dependent upon farming and animal husbandry as their main source of livelihood. The village is surrounded by the illegal Israeli settlement of Itamar and since 1996 the residents of Yanoun have consistently experienced settler harassment and violence, as well as property damage and confiscation. In October of 2002 the settlers of Itimar forcibly evacuated Yanoun of its inhabitants. International humanitarian agencies and Israeli human rights organizations then came to Yanoun to provide a protective presence with the aim of facilitating the return of the community. These left Yanoun within weeks of the community’s return; however, the Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) has remained in Yanoun since October 2002. Based in Yanoun Ecumenical Accompaniers (EAs) provide a protective presence, monitor, and report on human rights violations in the community, as well as the entire Nablus Governorate and Jordan Valley.

INTERNATIONAL HUMANITARIAN LAW:

The International Court of Justice has stated that the 1949 Fourth Geneva Convention for the Protection of Civilian persons in Times of War applies to the occupied Palestinian territory.

All Israeli settlements are illegal according to Article 49 the Fourth Geneva Convention, which states, “The Occupying Power shall not deport or transfer parts of its own civilian population into the territory it occupies.

Article 4
of the Fourth Geneva Convention states, “Persons protected by the Convention are those who, at a given moment and in any manner whatsoever, find themselves, in case of a conflict or occupation, in the hands of a Party to the conflict or Occupying Power of which they are not nationals.” Thus, according to International Humanitarian Law, Israel has the duty as an occupying power to protect Palestinians from settler attacks.

Fieber – Thapra

22 Jan
Amer aus Thapra

Amer aus Thapra

Es ist „Dorftag“. Das heißt, wir besuchen Dorfbewohner im Betlehem Distrikt gemeinsam mit der NGO Holy Land Trust (HLT). Diese Non-Profit-Organisation hat eine lange Tradition im Training von gewaltfreien Strategien und kümmert sich in persönlicher Weise um palästinensische Dörfer und ihre Probleme. Unsere Kontaktperson Marwan Al Farar’ja ist dort „Area Field Coordinator“ und holt uns mit einem Taxi ab. Es geht über viele Hügel mitten hinein in Bethlehems Umland. Wir bremsen vor einem Häuslein in Wadi Rahhal, in dem zwei Familien wohnen. Die meisten Dorfbewohner hier sind Schäfer und lassen ihre Tiere seit Jahrhunderten hier weiden. „Jeden Samstag, also am jüdischen Feiertag Schabbat, kommen jüdische Siedler von der benachbarten Siedlung Efrat hierher“, berichtet einer der Männer drinnen bei süßem Pfefferminztee. Manchmal kämen sie zu Fuß, manchmal auch mit dem Jeep. Begleitet werden die Siedler zumeist von riesigen Hunden, die keine Schäferhunde seien, sondern aussehen wie riesige Kälber. „Wir flüchten dann in unsere Häuser und schließen uns solange ein, bis sie weg sind“, sagt der Mann, das Familienoberhaupt. Dies geschehe seit Jahren an jeden Samstag regelmäßig, manchmal auch an anderen Tagen in der Woche. Die Siedler werden jedes Mal von privaten Sicherheitsleuten begleitet. Die Schäfer werden daran gehindert, ihre Tiere zu weiden. Der Tagesablauf ist gestört. „Manchmal werden die Siedler auch von israelischen Soldaten und der Polizei begleitet – in einer Eskorte.“

Wir machen uns Notizen und fahren weiter nach Thapra. Diese kleine Dorfgemeinschaft ist eine der ärmsten in der Westbank.

Obwohl wir in den zwei Monaten schon einiges gesehen haben, ist die Familie, die wir hier besuchen, mit Abstand auf dem niedrigsten Niveau bezüglich der Lebensqualität. In dem Haus mit den feuchten Wänden wohnen zwei Familien verteilt auf zwei Räume. Ein kleiner Elektroheizer versucht ein wenig Wärme in dem größeren Zimmer zu verteilen. Die Ehepaare, die Großmutter und alle Kinder strahlen und begrüßen uns offen und warmherzig. Draußen gießt es in Strömen. Auf dem Sofa liegt ein kleiner Junge mit müdem, blassem Gesicht. Ab und zu stöhnt er und schließt die Augen.

Seine Mutter erzählt:„Mein Sohn Amer ist krank. Er ist 15 Jahre alt, aber, ja, ich weiß, er sieht aus wie sechs oder sieben. 2002 als die zweite Intifada im Gange war, bekam er eines

Amers Rollstuhl

Amers Rollstuhl

Tages Fieber. Er hatte 41 Grad und ich schaffte es nicht, das Fieber zu senken. Also nahm ich ihn auf den Arm und trug ihn durch die Hügel Richtung Bethlehem (Anm.: Die Entfernung Thapra-Bethlehem beträgt etwa 14 Kilometer). Die gesamte Stadt stand unter Ausgangssperre, niemand durfte nach Bethlehem hinein oder heraus, überall standen Soldaten. Ich bat einen von ihnen, mich durchzulassen, weil ich mit Amer in ein Krankenhaus wollte. Aber sie ließen mich nicht. Mit meinem kranken Kind auf dem Arm musste ich den ganzen Weg wieder nach Hause laufen, ohne irgendeine

Die Mutter vom Amer

Die Mutter von Amer

Chance auf medizinische Versorgung oder darauf, wenigstens einmal mit einem Arzt zu sprechen. Erst nach einer Woche durften wir mit unserem Sohn das staatliche Krankenhaus in Beit Jalla aufsuchen. Aber es war zu spät. Amer hatte eine Hirnhautentzündung bekommen und sein Gehirn war so geschädigt, dass uns die Ärzte keine Hoffnung mehr machen konnten. Jetzt liegt er hier, er kann nicht laufen und nicht sprechen. Das einzige, was er essen kann, ist flüssige Astronautenkost. Jedes Glas muss ich in der Apotheke kaufen und das kostet pro Stück 20 Shekel (ca. 4 Euro). Wir haben niemanden, der uns unterstützt und manchmal können wir uns die teure Astrokost nicht leisten. Letztes Jahr hat uns jemand einen Rollstuhl für Amer besorgt. Jetzt kann er im Sommer wenigstens draußen sitzen und die Sonne genießen, das liebt er. Und wenn jemand von ihm Fotos macht, das mag er auch. Das Foto über dem Sofa ist Amer kurz vor seiner Erkrankung. Wir lassen es dort hängen, wir finden es schön. Er war ein ganz normaler Junge. Wir lieben ihn so wie er ist.“

Die geteilte Stadt

30 Dez

Jüdisches Graffiti in Hebron Altstadt

Jüdisches Graffiti in Hebrons Altstadt

Hebron I

Wir steigen aus dem Bus aus und landen direkt vor einem Fast-Food-Restaurant im Zentrum. „Happy Bunny“ heißt der Laden und er verheißt, dass es für mich gute, intensive Tage werden sollen in Hebron, der zweitgrößten Stadt im Süden der Westbank. Dennoch muss ich lachen: Happy Bunny? Was ist happy an einer Stadt, die vor allem durch extreme jüdische Siedler geprägt ist?

Hier leben rund 170.000 Palästinenser und 800 Juden. Die Altstadt mit ihrem höhlenartigen Suq und ihren vielen Händlern, die Falafel und Kufya  – die traditionellen Palästinensertücher, jetzt auch in Bunt und original aus der Hebroner Hirbawi-Fabrik – verkaufen, hat einen besonderen Charme. „Euch verarschen wir nicht mit zu hohen Preisen“, sagt Jamal, ein Tuchhändler zu mir. „Ihr arbeitet hier und seht mit eigenen Augen, was passiert. Wenn ihr zurückgeht, sollt ihr nicht sagen, dass die Palästinenser Euch übers Ohr gehauen haben.“ Ich nicke befriedigt und kaufe eine extrem schicke türkise Kufya für die grauen Straßen Berlins.

Das Rote Kreuz in der Altstadt

Das nette Plauderstündchen mit Jamal, den das Hebron-Team täglich auf seinem Rundgang durch die Altstadt besucht, nehmen wir als schnelles Durchatmen in einer Stadt mit, deren Lunge längst vergiftet ist. Nach dem Oslo-Abkommen von 1994 und der damit verbundenen schrittweisen Unabhängigkeit palästinensischer Städte einigten sich die Beteiligten auf einen besonderen Status für die Stadt, der im sogenannten Hebron-Protokoll festgehalten wurde (siehe auch: http://www.tiph.org/en/About_Hebron/ ) und eine internationale Präsenz in der Stadt vorsieht. Dem vorangegangen war, dass im selben Jahr der amerikanisch-jüdische Siedler und Arzt Baruch Goldstein 29 betende Muslime in der Ibrahimi-Moschee erschossen hatte, die auf der anderen Seite eine Synagoge ist und die Gräber Abrahams und Saras enthält – für Muslime wie Juden gleichbedeutend wichtig. Das Brisante in Hebron sind die vier jüdischen Siedlungen mitten in der arabischen Altstadt, was Hebron zu einem Dauerbrennpunkt und Ort ständiger Konflikte macht. In dem Protokoll wurde festgehalten, dass die Stadt in zwei Gebiete aufgeteilt wird: H1 untersteht der palästinensischen Autonomiebehörde, H2 der israelischen Militärgewalt. H2 betraf vor allem das Herz von Hebron: die florierenden Einkaufsstraßen in der Altstadt, allen voran die prächtige Shuhada-Street mit ihren vielen Geschäften. Dieser Teil der Altstadt ist seit 2002 gänzlich ausgestorben. Die Ladenbesitzer mussten schließen. Seitdem versorgt das Internationale Rote Kreuz die Bewohner mit Familienbesuchen, den nötigsten Medikamenten und einem speziell ausgearbeiteten Programm, das Mikrokredite an palästinensische Anwohner der Straßen dort vergibt, damit sie künftig eigene kleine Firmen und Werkstätten aufmachen können, um finanziell unabhängig zu sein. „Das funktioniert sehr gut und bisher haben wir alle Anfragen positiv beantworten können“, berichtet Barbara Lecq, Leiterin des Roten Kreuzes im Distrikt Hebron. Ein Mann besitze dort Ackerland und sei dabei, eine Erbeerfarm aufzubauen. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Roten Kreuz – Magen David Adom  -und dem arabischen Roten Halbmond, beide nationale Untergruppen des Roten Kreuzes, funktioniere in gegenseitigem Respekt, sagt Lecq. Trotz der Absperrungen und Mobilitätseinschränkungen in der Altstadt gebe es zumindest in Bezug auf die Gesundheitsversorgung dort Dank des Sonderstatus des Roten Kreuzes keine bemerkenswerten Schwierigkeiten.

Nachts sind alle Katzen grau

Arabische Frauen in der Shuhada-Street, Hebron

Arabische Frauen in der Shuhada-Street, Hebron

In der Zeit von 2002 bis 2007 kam es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen jüdischen Siedlern und Palästinensern in Hebron. Die israelische Armee fuhr 2002 über Nacht mit Panzern in die Stadt ein und übernahm wieder die Kontrolle. „Sie kamen immer wieder, aber wir wussten nie, wann“, berichtet Murat, ein junger Mann, der in Hebron geboren wurde. Erst schreien die Soldaten und schlagen gegen die Haustür, dann brechen sie ein und reißen die Leute aus dem Schlaf, sagt er. Das Militär käme immer nachts und fordere die Familie dann auf, nach draußen zu gehen. Oder man werde gemeinsam mit Vater und Mutter in ein Zimmer gesperrt, berichtet er. Seit dem Einrollen der israelischen Panzer und den nächtlichen Hausdurchsuchungen kann Murat nicht mehr richtig schlafen. Er ist deshalb um 3 Uhr morgens schon wach und fährt die ökumenischen Begleiter zum Checkpoint Turqumia im Nordwesten des Hebron Distriks. „Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich Schlafstörungen habe“, sagt er tapfer und lächelt schief. Sein Cousin wurde vor kurzem von israelischen Soldaten inhaftiert. Nachts sind alle Katzen grau, auch in Hebron.

Drehkreuz an der Ibrahimi-Moschee

Drehkreuz an der Ibrahimi-Moschee

Info zu Hebron: Warum befinden sich jüdische Siedler in einer arabischen Stadt?

In Hebron lebte ununterbrochen über die Jahrhunderte hindurch eine  jüdische Gemeinde. 1929 fand ein Massaker statt, in derem Zuge 67 jüdische Bewohner Hebrons  von arabischen Bewohnern der Stadt getötet wurden. Die restlichen Gemeindemitglieder verließen daraufhin Hebron und flohen nach Jerusalem. Juden kehrten erst 1967 wieder zurück, nachdem Israel die Westbank besetzt hatte. Die Stadt ist bedeutend für alle drei monotheistischen Religionen, da sich in der sogenanten Machpela-Höhle die Gräber von Abraham, seiner Frau Sara, ihrem Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob befinden sowie deren Frauen Rebekka und Lea. Heute ist das Heiligtum der Patriarchen, das über Jahrhunderte eine gotische Kreuzfahrerkirche war, eine Moschee mit einer im nördlichen Teil gelegenen Synagoge und wird sowohl von Juden als auch Muslimen genutzt. In den 60iger Jahren des 20. Jahrhunderts siedelten sich die ersten jüdischen Gläubigen in Hebrons arabischer Altstadt an, indem sie dort ein Hotel besetzten. Mittlerweile gibt es vier jüdische Siedlungen dort: Tel Rumeida, Beit Hadassah, Beit Romano und Avraham Avinu. Insgesamt leben dort 800 Siedler, die von 200 israelischen Soldaten

beschützt werden und mit Maschinengewehren – Typ M-16 – in den Straßen entlanggehen. Die Spannung in der Altstadt ist spürbar, besonders an hochsensiblen Stellen, wie enteigneten palästinensischen Wohnhäusern, den elf Checkpoints und im Umkreis der Ibrahimi-Moschee bzw. Machpela-Synagoge (siehe auch: http://www.palaestina.org/index.php?id=130 ) die streng bewacht wird. An jüdischen Feiertagen ist es Muslimen nicht erlaubt, ihren Eingang zu der Moschee zu benutzen.  Wir ökumenischen Begleiter positionieren uns am frühen Morgen am Checkpoint direkt bei der Cordoba-Schule, um die Lage zu beobachten. Die Schule ist arabisch, liegt aber direkt an einer der Siedlungen. Siedler mit Kippa und Zauselbart eilen im Laufschritt die Straße hinunter, während winzige palästinensische Mädchen mit riesigem Schulranzen und wippenden Zöpfen hüpfend Richtung Schule laufen. Die Kinder müssen einen Umweg nehmen, weil die Treppe zum Eingang von Siedlern okkupiert wurde. An diesem Morgen kommt es zu keinen weiteren Zwischenfällen, keine Beschimpfungen durch Siedler, keine fliegenden Steine. Am Abend erfahren wir, dass ein junger Siedler auf eines der Kinder mit einem Messer losgegangen ist. Das Kind konnte fliehen und blieb unverletzt. Die Homepage der jüdischen Gemeinde Hebrons ist es wert, angeklickt zu werden, weil dort sehr deutlich wird, dass der jüdische Anspruch auf Hebron arabisches Leben dort völlig ausschließt und auch, um sich selbst ein Bild der einseitigen Propaganda der jüdischen Siedler zu machen: http://www.hebron.com/english/index.php 


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